Paul Dobbs und Martin Loicht sterben auf der Isle of Man

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Paul Dobbs und Martin Loicht sterben auf der Isle of Man (Bildmaterial: moto1203.com) Über den Fahrern und Konstrukteuren, die das erste Elektro-Rennen auf der Isle of Man im vergangenen Jahr bestritten haben, scheint ein dunkler Stern zu hängen. Vier haben in den letzten zwölf Monaten ihr Leben gelassen.

Doch zunächst ein kurzer Blick auf die aktuellen Resultate: Gewonnen hat das 2010er Rennen - das nun Zero und nicht mehr TTXGP heißt - das Team MotoCzysz, das im vergangen Jahr ebenfalls angetreten war, aber die Maschine nach wenigen Kilometern abstellt.

Nicht wenige haben es den Amerikanern vor zwölf Monaten gegönnt: Stars wollten sie sein, von Anfang an. Michael Czysz, war aus Portland, Oregon, eingeflogen, mit verspiegelter Brille und viel Pomade im Haar, hatte an einem geheimen Ort residiert, nachdem er mehrere Jahre vergeblich versucht hatte , ein Superbike „Made in the USA“ auf die Beine zu stellen. Der geplante E-Triumphzug mit großer Entourage und Westcoast-Pomp - ein eigenes Filmteam soll den großen Auftritt festhalten - endete im Desaster und Spott.

Vergangene Woche nun hat die neue Maschine von Team MotoCzysz fast den ausgeschriebenen Sonderpreis für das Knacken der magischen Hürde von 100 Miles pro Stunde Durchschnittsgeschwindigkeit geknackt - und die Konkurrenz deklassiert. Auf Platz zwei landete der Vorjahressieger Rob Barber von Team Agni, den dritten Podiumsplatz holte James McBride vom Team Man TTX Racing.

Doch das beschäftigt mich eigentlich nur nebenbei, meine Gedanken sind bei Paul Dobbs (im Bild) und Martin Loicht.

Der 48jährige Martin Loicht war einer der erfahrensten Strassenrennfahrer und einer der E-Bike-Pioniere Österreichs. Nach über einem Jahrzehnt der Abstinenz von der Insel hat er sich mit dem Aufkommen der Elektro-Bikes wieder den Traum Isle of Man gegönnt. Die Supersport 600-Läufe hatte er als Training für die Elektro-TT-Rennen 2010gesehen, wo er mit seinem Eigenbau an den Start gehen wollte. In der dritten Runde, kurz nach dem Tankstopp, stürzte er vergangenen Donnerstag in der Sektion Quairy Bends und erlag seinen Verletzungen.

Paul Dobbs war 2009 mit der echten Krücke vom österreichischen Htblauva-Team - unter der Leitung von Martin Loicht - beim Welt ersten TTXGP an den Start gegangen und hatte damals das Podium knapp verfehlt. Nun ist er tot. Er starb vergangenen Donnerstag beim Rennen der Supersport TT-Klasse; er kam kurz vor Loicht in der Nähe von Douglas in voller Fahrt von der Straße ab und erlitt tödliche Verletzungen, an deren Folgen er sofort an der Unfallstelle verstarb.

Dobbs ist der dritte Teilnehmer nach John Crellin und Thomas Schönfelder des 2009er TTXGP, der inzwischen nicht mehr lebt.

John Crellin, mit 55 Jahren einer der TT-Veteranen, war 2009 wenige Stunden nach dem Elektro-Rennen wieder gestartet. Im Senior TT, traditionell dem letzten Rennen der Races über sechs lange Runden und 360 Kilometer, prügeln die Fahrer explosive 1000-Kubik-Maschinen über den Kurs.

John Crellin war in der letzen Runde nicht nach Douglas zurück gekommen. Kurz vor dem Pass am Snaefell stürzt er mit seiner Suzuki an der „Mountain Box“. An dieser Stelle haben die Fahrer in einer gezogenen Linkskurve über 200 Stundenkilometer auf dem Tacho. Crellin war sofort tot.

Rob Barber, der 2009er Sieger und diesjährige Zweite der E-Races, dazu: "Als ich vorbei kam, ist gerade der Helikopter gelandet. Schrecklich. Aber ist die Isle of Man. Jeder von uns weiß, auf was er sich hier einlässt – einen Moment nicht aufgepasst, und es kann dein letzter gewesen sein.“

Crellins Tod hat er mit einer stillen Gedenkminute abgehakt. „Ich bin mir sicher, John starb glücklich und mit sich im Reinen. Es war ein großartiger Tag für ihn – er stand auf dem Siegerpodium heute morgen. Was kannst du mehr erwarten?“

Im Herbst starb dann Thomas Schönfelder, der Zweite auf dem Podium, von eigener Hand. Selbstmord. Thomas Schönfelder war 2000 Deutscher Langstreckenmeister in der Klasse bis 600 ccm; in den folgenden Jahren war sein Name immer in der Starterliste bei den wichtigen Langstreckenrennen wie der Bol’d Or zu finden. Doch seine Lieblingsstrecke war immer der schwierige Straßenkurs auf der Isle of Man; nicht zuletzt, weil er dort seiner Frau Simone den Heiratsantrag gemacht hat.

Im letzten Sommer pilotierte er das E-Bike, das er zusammen mit Thomas Schuricht und Marko Werner vom Kasseler XXl-racing-Team entwickelt hatte. Ohne Schönfelder wäre das Team nie auf den sensationellen zweiten Platz gefahren; seine Erfahrung auf der Strecke war entscheidend für den Erfolg.

Ich schrieb damals: "Ein Rennen entscheidet sich auch über die Taktik,“ sagt Thomas Schönfelder kurz vor dem Rennstart. Und er behält Recht. Motoczysz und Mission One surren los wie von der Tarantel gestochen, Brammo hinterher, doch nach acht Kilometer ist für das erste Westcoast-Showbike Schluß. Motorschaden Motoczysz.

Mission One zieht auf halber Strecke an Schönfelder vorbei, doch dann zahlt sich dessen TT-Erfahrung aus. „Ich kenn doch meine Strecke, in Ramsey vor den Bergen ist noch gar nichts entschieden.“

Schönfelder hat Saft raus genommen und die Batterien für die Steigungen durchs Hochmoor geschont. Oben am Pass unterhalb des Snaefell hat er Mission One wieder abgehängt, nur einer den Brammo-Fahrer kann noch hinterher. „Ruhig, Thomas, ruhig.“ Am Grandstand in Douglas versucht Schönfelders Frau Simone telepathischen Kontakt auf zu nehmen. Es klappt. Nach 29:04 Minuten fällt für XXL Racing die Zielflagge – zweiter Platz, Schönfelders erstes Podium bei der TT, und eine besondere Genugtuung: Der alte Siemens-Motor hat mit über 170 Stundenkilometer die höchste gemessene Geschwindigkeit erreicht."

Im richtigen Leben war der permanente Speed, den er im Rennen so geliebt hat, auf Dauer zu viel für Thomas Schönfelder.

Er hat sich am 31. Oktober 2009 im Alter von 42 Jahren für Aussenstehende völlig überraschend das Leben genommen. Zurück bleiben seine Frau Simone, seine fassungslosen Freunde und für lose Bekannte wie mich die Erinnerung an einen feinen Menschen.

Und nun Paul Dobbs, der stille Neuseeländer, den sie im Fahrerlager alle hoch hielten.

Sein Kiwi-Kollege Bruce Anstey widmete seinen dritten Platz im Rennen seinem alten Freund und Rivalen Dobbsy; Paul Owen, ebenfalls aus Neuseeland, hielt am Unfallort an, um zu helfen, und vergab seine Siegchance.

Es sind immer weniger von den E-Race-Veteranen. Wie sagt Rob Barber: "Die Isle of Man gibt, die Isle of Man nimmt." RIP, Dobbsy.

Von Jochen Vorfelder


Kommentare 

 
+3 #2 2010-06-15 23:37
Ich finde es gut, dass den verstorbenen hier gedenkt wird. Auf der Isle of Man wird darüber nur wenig gesprochen oder gar nicht. Wenn es nach der Pressestelle der TT geht hat es gar keine Todesfälle gegeben, könnte man meinen.
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0 #1 2010-06-15 14:30
Ich muss sagen, dass ich es für äusserst geschmacklos und verwerflich halte den Tod von vier Menschen als eine belanglose Nebensache in der überschrift zu erwähnen. Ganz nach dem "leider vier tot aber jetzt erstmal die Resultate, weil die ja wichtiger Sinn". Also etwas mehr pietät wäre wohl angebracht.
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