Roland Berger: 2025 sind 50 Prozent der Neufahrzeuge Hybrid- und Elektroautos

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Roland Berger: 2025 sind 50 Prozent der Neufahrzeuge Hybrid- und ElektroautosGeopolitische Veränderungen, demografischer Wandel, Nachhaltigkeit, die Weiterentwicklung von Mobilität und Technologien – das sind fünf Megatrends, die laut einer Roland-Berger-Studie die weltweite Automobilindustrie in den kommenden 15 Jahren grundlegend verändern werden. Zehn zentrale Ergebnisse zeigt die Studie "Automotive Landscape 2025" auf, bei der nahezu alle 39 Roland Berger Büros weltweit und mehr als 60 hochrangige Vertreter der Automobilindustrie und des Personaldienstleisters Amrop mitgewirkt haben sollen.

"Der regionale Schwerpunkt der Industrie wird sich verlagern", sagt Wolfgang Bernhart, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und einer der Autoren der Studie: "Die Kerntechnologien im Automotive-Bereich werden sich verändern; neue Geschäftsmodelle und Organisationsstrukturen werden entstehen. Auch Mitarbeiter müssen neue Anforderungen erfüllen."

Die Studie prognostiziert eine starke Verschiebung des Automotive-Geschäfts in Richtung asiatische Märkte. Davon werden nicht nur die Produktionsstandorte betroffen sein, sondern auch der Vertrieb, denn ein erheblicher Teil der Kunden wird künftig aus Asien stammen und Produkte nachfragen, die auf ihre speziellen Bedürfnisse zugeschnitten sind. "Diese Entwicklung gefährdet rund 300.000 Arbeitsplätze in Europa", fügt Auto-Experte Bernhart hinzu. Dabei geht es hauptsächlich um Arbeitsplätze in der Automobilproduktion. Diese Entwicklung wird beschleunigt durch die Schwierigkeit der Automobilindustrie in Europa und den USA, genügend qualifizierte Ingenieure und Fachkräfte rekrutieren zu können. Dafür werden die Firmen auf Fachpersonal aus anderen Ländern zurückzugreifen müssen.

Aufgrund der starken Nachfrage aus Asien wird der Anteil an kleinen und kostengünstigen Fahrzeugen zunehmen. Das Kleinwagensegment wird aber auch in gesättigten Märkten wachsen, als Folge eines Wertewandels. Mit wachsender Bevölkerung und zunehmendem Wohlstand wird die Zahl der Autobesitzer bis 2025 weiter steigen. Reife Märkte wie Nordamerika und Europa werden unter dem globalen Durchschnittswert von einem Prozent Jahreswachstum bleiben. Doch vor allem in den BRIC-Märkten nimmt der Wunsch nach individueller Mobilität weiter zu. So sorgen diese Märkte insgesamt für 83 Prozent des künftigen Marktwachstums. Allein in China wird die Zahl der Autobesitzer jährlich um satte 36 Prozent steigen.

Zur gleichen Zeit werden Autos bei der jüngeren Generation an Prestige verlieren. "Ausgehend von einer Entwicklung in den Industrienationen werden sich die Werte radikal ändern. Für jüngere Menschen wird das Auto immer weniger ein Statussymbol darstellen”, sagt Philipp Grosse Kleimann, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und Co-Autor der Studie: "In den großen Metropolen wird der Besitz eines eigenen Autos nicht mehr notwendig sein, um von A nach B zu kommen. Es entsteht bereits heute ein Trend zur Demotorisierung." Mobilitäts-Ökosysteme wie beispielsweise Car Sharing werden die Nachfrage nach Autos und anderen Fortbewegungsmitteln optimal bedienen.

Elektroautos gewinnen weltweit an Relevanz: Zwar sorgen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor 2025 immer noch für 50 Prozent des Umsatzes in der Branche, aber bereits zehn Prozent des Neufahrzeugabsatzes entfallen dann auf Elektroautos, 40 Prozent auf Hybridfahrzeuge. "Der steigende Anteil elektrischer Antriebe wird die aktuelle Wertschöpfungskette des Mobilitätssektors nicht nur für Erstausrüster (OEM) und Zulieferer, sondern auch für Stromversorger und Drittanbieter verändern", sagt Berger-Partner Wolfgang Bernhart.

Doch auch die Möglichkeit, als Fahrer immer online zu sein und portable Endgeräte mit dem Steuerungssystem des Autos zu verbinden, zählt zu den zukünftigen Erfolgsfaktoren: "Konnektivität spielt für die jüngere Generation eine immer wichtigere Rolle – always online, always connected. Dies wird zu einem Zusammenrücken von Automobil- und IT-Industrie führen", sagt Auto-Experte Grosse Kleimann.

Diese Veränderungen erfordern eine Anpassung des Geschäftsmodells der Automobilindustrie: "Die Automotive-Branche wird vielfältige Partnerschaften mit Unternehmen aus anderen Bereichen eingehen, um Zugang zu Technologien und Kunden zu erhalten und sich Skaleneffekte zu sichern", sagt Marcus Hoffman, Principal bei Roland Berger und Co-Autor der Studie. Bei diesen neuen Geschäftsmodellen wird es nicht allein um den Vertrieb gehen, sondern auch zum Beispiel um die Integration von Hard- und Software in den Fahrzeugen.

Um ein größeres Wachstum und einen leichteren Zugang zu den Ressourcen zu erreichen, werden Unternehmen in der Automobilbranche ihre Strukturen zunehmend dezentral führen. Statt dessen werden sie sich „glokal“ strukturieren – eine Kombination aus globaler Reichweite und der Anpassung an lokale Bedürfnisse und Gesetze. Unter Zulieferern wird die Konsolidierung weiter zunehmen. Gleichzeitig entstehen neue Hersteller – aus der Autoindustrie heraus und von Außen kommend.

Aus den erwarteten Megatrends in der Automotive-Branche haben die Autoren der Studie drei Szenarien für das Jahr 2025 hergeleitet:

Das Hightech-Szenario prognostiziert eine starke Entwicklung des Autos in Richtung Konnektivität: Eine permanente Verbindung mit dem Internet und eine personalisierte IT-Schnittstelle ermöglichen dem Fahrer, zahlreiche zusätzliche Funktionen zu nutzen und mehr Komfort beim Fahren zu erreichen.

Das Sparszenario sieht eine Welt vor, in der die Kaufkraft der Kunden aufgrund des Steuerdrucks, der steigenden Inflation sowie des geringen Einkommenswachstums stark beeinträchtigt ist. Autos sind weniger erschwinglich und die Ausgaben für Fahrzeuge konkurrieren mit weiteren wichtigen Ausgaben.

Das Nachhaltigkeitsszenario beschreibt eine Welt, in der das Verbraucherverhalten stark durch Vorschriften, Gesetze und Steuern, aber auch durch Bewertungen über umweltfreundliche Automodelle beeinflusst wird.

Unabhängig davon, welches Szenario tatsächlich eintreffen wird, müssen die Hersteller in den kommenden Jahren offen und flexibel bleiben. "Die Unternehmen müssen sich jetzt den Chancen und Herausforderungen stellen, damit sie ihre Zukunft profitabel gestalten können", sagt Bernhart.

Eine Kurzfassung der Studie kann auf der Homepage von Roland Berger Strategy Consultants heruntergeladen werden.

(mk/wattgehtab.com)


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