Neue Allianz "Pro Tempolimit" fordert Anschluss Deutschlands an die zivilisierte Welt

Unternehmen und Markt

pro_tempolimit(Quelle: ar/DUH) - Die Deutsche Umwelthilfe will mit der Initiative „Pro Tempolimit“ eine neue Allianz für eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen schmieden. Neben dem Klimaschutz führen DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch und seine Mitstreiter auch die Verkehrssicherheit ins Feld.

Als Gründungsmitglieder haben sich der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Polizeidirektor Martin Mönnighoff von der Hochschule der Polizei in Münster dem Vorstoß angeschlossen. Sie sehen eine Chance, Tempo 130 (oder noch weniger) bis 2010 flächendeckend auf Bundesautobahnen einzuführen.


Die Zeit dafür sei reif, glaubt der VCD. Bundesvorsitzender Michael Gehrmann will wie Jürgen Reusch bemerkt haben, dass die Mehrheit der Bevölkerung bereits dafür sei. In einer Forsa-Umfrage hätten sich 73 Prozent der Befragten für ein generell gültiges Tempolimit ausgesprochen und auch der SPD-Parteitagsbeschluss zeuge vom geänderten Bewusstsein. „Alle Argumente gegen ein Tempolimit sind vorgeschoben. Wir sind der Meinung, die Gesellschaft ist weiter als die Politik“, konstatiert Dr. Gerd Rosenkranz, Leiter Politik & Presse bei der Deutschen Umwelthilfe.

2,3 Millionen Tonnen CO2 könnten bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130 km/h pro Jahr gespart werden. VCD-Vorsitzender Michael Gehrmann geht noch weiter: Tempo 120 brächte 3,3 Millionen Tonnen weniger CO2, Tempo 100 gar weit über sechs Millionen Tonnen. Es gebe keinen rationalen Grund, der gegen die Festsetzung einer maximalen Höchstgeschwindigkeit spreche. Und die Einführung eines Tempolimits „kostet so gut wie nichts“.

Ein Tempolimit würde außerdem jährlich Dutzende, wenn nicht sogar über 100 Leben auf deutschen Autobahnen retten, ergänzt Polizeidirektor Martin Mönnighoff, Inhaber des Lehrstuhls für Polizeiliche Verkehrslehre an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. 60 bis 70 Prozent der schweren Autobahnunfälle passieren seinen Angaben nach auf Abschnitten ohne Geschwindigkeitslimit. Schon durch eine um einen Kilometer in der Stunde gesenkte Durchschnittsgeschwindigkeit würde die Zahl der Verletzten um zwei Prozent und die der Toten um vier Prozent zurückgehen, verweist Mönnighoff auf entsprechende Untersuchungen im Ausland. Leider gebe es in Deutschland schon seit einiger Zeit keine Studien mehr in dieser Richtung, bedauert er.

Auch psychologisch könnten alle Verkehrsteilnehmer vom Ende der freien Fahrt für freie Bürger profitieren. Die Geschwindigkeitsunterschiede auf der Autobahn führten immer wieder zu Stress und Aggressionen. „Die einen fühlen sich bedrängt, die anderen aufgehalten“, fasst es Martin Mönnighoff kurz und bündig zusammen. Michael Gehrmann beklagt in diesem Zusammenhang den Abbau polizeilicher Kontrollen aus Kostengründen und stellt fest: „Auf einigen Autobahnabschnitten herrscht Anarchie.“

DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch, bekannt für polarisierende und polemische Zuspitzungen, stellt fest, die „grüne IAA habe nur während der Pressetage stattgefunden, danach wurde umgeräumt“. Er gibt zu Bedenken, dass der europäische Fahrzyklus, nach dem Verbrauch und Schadstoffausstoß bemessen werden, für Deutschland Augenwischerei sei. Gemessen werde nun einmal nur bis 120 km/h – ein Wert der für alle anderen Länder einen gewissen Aussagewert habe, aber eben nicht für Deutschland. So will Resch sogar wissen, dass bei vielen Autoherstellern der Katalysator jenseits von 130 km/h, 135 km/h einfach abgeschaltet werde, weil in der ganzen Welt ohnehin nicht schneller gefahren werden dürfe. Mit Ausnahme von Deutschland eben – und Nepal, Uganda und der Isle of Man.

Die Initiative „Pro Tempolimit“ ist nach eigenen Angaben im Augenblick mit etwa zehn weiteren Organisationen im Gespräch, die sich der Aktion anschließen könnten.


Bildmaterial: DUH


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Kommentare 

 
0 #1 2007-11-12 00:19
Wenn ich das schon wieder lese ... die Herren FORDERN ...
Meinen die, weil sie über genug Geld und Einfluss verfügen, können sie andersdenkenden Bürgern ihren Willen aufzwingen???
Mit etwas mehr Intelligenz wäre diese mentale Energieverschwe ndung in der Realisierung vernünftiger Konzepte besser aufgehoben.
Wenn deutlich mehr CO2 eingespart werden soll, warum setzen sich diese Besserwisser z.B. nicht dafür ein, dass auch im Entwicklungslan d Deutschland Elektrofahrzeug e gefördert und gebaut werden.
Wenn der gemeine Elektroautofahr er merkt, wie viel weiter er durch zurückhaltende Fahrweise kommt, dann werden die meisten Fahrer ohnehin kaum schneller als 100 km/h auf den Autobahnen fahren.
Über den CO2-Ausstoß kann man sich dann mit den Flachdenkern auseinandersetz en, die immer noch auf Strom aus Braunkohle setzen.

Die Technik für reine E-Cars ist jedenfalls da, neueste Akkuentwicklung en messen sich schon mit Brennstoffzelle n.
In den USA und im europäischen Umland hat das Umdenken schon angefangen und in China produziert man bereits Elektrofahrzeug e mit atemberaubenden Stückzahlen.
Nur das von Lobbyisten gesteuerte Deutschland träumt weiter...
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