Nächster Versuch: Druckluft-Auto soll in Serie gehen
Unternehmen und Markt
Montag, den 25. Februar 2008 um 23:56 Uhr
Geschrieben von: Markus Pflegerl
Mehrfach ist es angekündigt und immer wieder verschoben worden: Nun soll das Auto „OneCat“ mit Druckluftantrieb im September 2008 in Serie gehen und sich als preiswerte Alternative zum Elektroauto positionieren.
Das hat das französische Unternehmen Motor Development International (
MDI) angekündigt. Wäre nicht seit kurzem Indiens größter Autobauer Tata involviert, könnte man das Projekt als eine verrückte Idee eines Bastlers halten. Das Fahrzeug soll mit einer Drucktankfüllung 100 Kilometer weit kommen und ab 3500 Euro kosten, berichtet das Technologiemagazin „Technology Review“ in seiner aktuellen Ausgabe 3/2008.
Das Konzept stammt von Guy Nègre, einem ehemaligen Luftfahrt-Ingenieur und Entwickler von Formel-1-Motoren, welcher die Idee schon seit 14 Jahren verfolgt. Er hatte bereits im Jahr 2002 angekündigt, Taxis in Mexico City mit Druckluftantrieben auszustatten, blieb die Realisierung aber schuldig. Seit Februar 2007 als Tata die Weiterentwicklung der Drucklufttechnologie mit MDI angekündigt hat und bisher 30 Millionen Dollar in das Projekt investiert hat, scheint Bewegung in die Sache zu kommen.
Herzstück des MDI-Autos ist ein von Airbus hergestellter Druckbehälter aus Glasfaserkunststoff, in dem 90 Kubikmeter Luft auf 300 Bar komprimiert werden. Sie soll einen Vierzylinder-Kolbenmotor mit 800 Kubikzentimetern Hubraum antreiben. Allein mit Druckluft soll das geplante 22 PS starke und 3,40 Meter lange Dreisitzer-Model eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern ohne Schadstoffausstoß haben. Optional soll es einen zusätzlichen Antrieb mit Flüssigbrennstoff gaben, der den Aktionsradius bei einem Spritverbrauch von 1,5 Litern pro hundert Kilometer auf bis zu 800 Kilometer erhöht.
Außerdem sitzt noch ein 5 Kilowatt starker Elektromotor auf der Kurbelwelle. Er soll u. a. Bremsenergie wiedergewinnen und den Kolbenmotor in einen Verdichter umfunktionieren können, der den Drucklufttank lädt.
Druckluft als Antrieb ist grundsätzlich möglich. Manche Beobachter haben allerdings Zweifel daran, dass das ganze Konzept energetisch überhaupt sinnvoll ist. Komprimierte Luft speichere nicht genug Energie, um ein Fahrzeug über eine ausreichend lange Strecke anzutreiben. Bei der Erzeugung des Drucks gehe außerdem sehr viel Energie verloren. Druckluftantriebe seien zwar weniger effizient als etwa batteriebetriebene Elektromotoren, aber dafür seien sie auch einfacher und günstiger zu produzieren. Was in Schwellenländer wie Indien ein entscheidenes Argument sei.
(Quelle: TR/ar, Bildmaterial: MDI)
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