Interview German E-Cars zur Notwendigkeit des Wandels der Automobilindustrie

Unternehmen und Markt

Frank Laaber, Geschäftsführer von German E-Cars Der Eintritt in die Elektromobilität aus unternehmerischer Innovationskraft einerseits sowie aus Krisendruck heraus andererseits am Bsp. der German E-Cars GmbH bei Kassel: Niemand konnte die Finanzkrise vorhersehen, die 2008 und 2009 besonders die Automobilbranche hart traf. So blieb auch der hessische Automobilzulieferer FRÄGER nicht verschont davor, einen Teil seiner Belegschaft freisetzen zu müssen. Als Antriebsspezialist fertigt die FRÄGER-Gruppe Komponenten für Kunden wie Volkswagen und Daimler und übernimmt dabei ganze Fertigungsabläufe. Dass diese Abhängigkeit in einer Krise direkte Auswirkung auf die Auftragslage haben kann, ist ein unvermeidbares Risiko.

Im Wattgehtab-Interview beantwortet Frank Laaber, einer der Geschäftsführer von German E-Cars, exklusiv unsere Fragen.

Wattgehtab: Herr Laaber, trotz einer soliden Kapitalbasis mussten seit dem Beginn der Krise etwa 200 der ursprünglich 580 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Was waren die genauen Gründe?

Frank Laaber: Es war schlichtweg keine Arbeit mehr vorhanden. Es mussten Wege gefunden werden, möglichst viele Fachkräfte zu halten, um auch nach der Krisenzeit noch voll wettbewerbsfähig zu sein. Zudem wollte man die so schmerzlich erfahrene Abhängigkeit von den Automobilherstellern verringern, um bei zukünftigen Unruhen der Weltwirtschaft besser aufgestellt zu sein.

Wattgehtab: Die Gründung der German E-Cars GmbH als Schwestergesellschaft war dann eine der Maßnahmen? Wie kam es zu dieser Idee?

Als langjähriger Spezialist für Motoren und Getriebe wagte FRÄGER einen Blick in die Zukunft und entschloss sich trotz Krise, ein Antriebssystem für Elektrofahrzeuge zu entwickeln. Bereits Anfang 2009 waren die Komponenten so weit, in drei Fahrzeuge aus chinesischer Produktion eingebaut zu werden. Der als Technologieträger geplante „Benni“ wurde im September 2009 auf der IAA in Frankfurt der Öffentlichkeit präsentiert und stieß auf großes Interesse. Das Interesse war sogar so groß, dass FRÄGER sich dazu entschloss ein eigenes Elektroauto zu bauen und zu vertreiben und gründete dafür die German E-Cars GmbH.

Wattgehtab: Wie viel FRÄGER steckt denn nun im Stromos und wie viele Fahrzeuge konnten Sie bisher verkaufen?

Frank Laaber: Mittlerweile wurden etwa 140 Fahrzeuge vom Stromos ausgeliefert. Bei dem Elektroauto auf Basis des Suzuki Splash/Opel Agila stammen der Elektromotor, die angepasste Getriebeeinheit, der Wechselrichter sowie die Entwicklung aus dem Hause FRÄGER. Zukünftige Modelle werden zudem ein speziell für den Elektroantrieb entwickeltes Automatikgetriebe erhalten.

Wattgehtab: Wie wird es 2011 bei German E-Cars weitergehen? Sind neue Modelle zu erwarten?

Frank Laaber: Dieses Jahr wird der Schwerpunkt für German E-Cars wieder bei den Flottenkunden liegen. Zur Zeit läuft der Stromos mit großem Erfolg z. B. in den Flotten von SAP und Siemens. Außerdem konnten wir mit Leasing-Dienstleistern interessante Projekt-Partner gewinnen.

Was unsere Modellpalette betrifft, kann ich Ihnen verraten, dass 2011 ein spannendes Jahr für German E-Cars werden wird. Wir wollen im Sommer unser neuestes Modell, Projektname „Voltos“ präsentieren, der sich in der Klasse der Kleinwagen à la Ford Fiesta oder Opel Corsa befinden wird. Außerdem werden wir gegen Ende des Jahres ein leichtes Nutzfahrzeug auf den Markt bringen, dessen Arbeitstitel „Plantos“ lautet. Dieses Fahrzeug wird jedoch auf einem anderen Fahrzeug basieren als das auf der IAA 2010 in Hannover gezeigte Plantos-Konzeptfahrzeug.

Wattgehtab: German E-Cars ist ja sozusagen der erste Kunde, der von FRÄGER entwickelten Antriebskomponenten für Elektrofahrzeuge. Gibt es schon Anfragen oder konkrete Aufträge von anderen Automobilherstellern?

Frank Laaber: Wir haben Projekte mit Unternehmen unterschiedlicher Industriezweige; ob Integration von Kunden-Komponenten in den Stromos (vom Motor über Heizungssysteme bis hin zur Einbindung eines Solardaches) über den Batteriebau für weitere Applikationen bis zum Aufbau von Kundeneigenen Prototypen; u. a. fährt das Konzeptfahrzeug „Bamboo“ von Rinnspeed mit dem FRÄGER-Antrieb und der Systemlösung und Batterie von German E-Cars.

Wattgehtab: Die Erzeugung und Verwendung erneuerbarer Energien wird als Schlüsseltechnologie für die nachhaltige Elektromobilität gesehen. Welche Dienstleistungen/Produkte bietet die FRÄGER-Gruppe auf diesem Gebiet? Und mit welchen Maßnahmen versucht FRÄGER einen negativen Umwelteinfluss durch Produktion und Betrieb der Fahrzeuge so gering wie möglich zu halten?

Frank Laaber: Elektromobilität in Verbindung mit erneuerbaren Energien – diese Kombination wird uns in den kommenden Jahren „bewegen“. Nur in diesem Zusammenspiel bringt diese Technologie die Nachhaltigkeit in der Mobilität, die wir benötigen.

Zum Einen hat die FRÄGER-Gruppe auf den Dächern der Produktionshallen in Nordhessen und Thüringen eine Photovoltaikanlage mit ca. 1MW Leistung installiert – dies entspricht in etwa 6 Mio KM CO2-neutrales Stromos-Fahren, zum Anderen werden wir unsere Kompetenz und Erfahrung im Batteriebau auf stationäre Speicher übertragen. Diese auch in Verbindung mit der Entwicklung eines Bi-Direktionalen Laders und der Untersuchung der Einflüsse auf das Netz der Zukunft – hier wurde im Rahmen des brandenburgischen Projektes e-SolCar ein Tochterunternehmen, die German E-Cars Research & Development GmbH, in Cottbus gegründet. Somit wird die German E-Cars weiterhin als Vorreiter unterwegs bleiben.

Wattgehtab: Wie sehen Sie als innovatives Mittelstandsunternehmen und typischer Automotive-Zulieferer die Abhängigkeit gerade beim Thema Elektromobilität zu den großen Auftraggebern und deren vielleicht nicht immer förderlichen Einflussnahme bzgl. eigener Anstrengungen der Zulieferbetriebe? Was ist dran an den Gerüchten, dass Suzuki von Anteilseigner VW oktruyiert bekommen haben soll, keine Fahrzeuge mehr an German E-Cars zu liefern?

Frank Laaber: Die German E-Cars GmbH und die E-Komponentenfertigung von FRÄGER ist ja auch aus der Motiviation heraus entstanden, sich durch eine eigene Marke unabhängiger von den klassischen Automobilkonzernen aufzustellen. Dass wir direkt von Suzuki keine Fahrzeuge mehr bekommen ist in der Tat korrekt, wir können uns aber dadurch behelfen, dass wir den Splash ganz regulär über den Automobilhandel beziehen bzw. das Schwestermodell Opel Agila verwenden. Mit dem Modellwechsel im Sommer werden wir sowieso andere Wege beschreiten, so dass diese Situation für uns nur eine vorübergehende Rolle spielt.

Wattgehtab: Sehen Sie sich ausreichend durch Verbandsarbeit bzw. durch geeignete Willensbildung politisch vertreten und kommen Ihnen dabei die derzeitigen Fördermechanismen Deutschlands in irgendeiner Form zugute oder was würden Sie anregen, das Ihnen für noch mehr Agilität und schnellere Lösungsreife in Ihren Vorhaben helfen würde?

Frank Laaber: Durch den Fokus auf die Elektromobilität der vergangenen zwei Jahren haben etablierte Verbände wie der BSM (Bundesverband Solare Mobilität e.V., Anm.d.Red.: Mit über 20 Jahren, ca. 400 Mitgliedern und hoher politischer Vernetzung bei Fachgremien in Berlin und Brüssel ist der gemeinnützige BSM der älteste und mitgliedsstärkste Verband der E-Mobilitätsbranche) einen höheren Stellenwert, dessen sich die Akteure in den Verbänden bewusst sind bzw. bewusst werden. Die German E-Cars wie auch die FRÄGER-Gruppe sind in unterschiedlichen Verbänden Mitglied, jedoch sind die Möglichkeiten der Einflussnahme noch nicht so ausgereift, wie es andere Verbände in den vergangenen Jahrzehnten erreicht haben. Somit können wir nur darauf verweisen bzw. daran mitgestalten, die vorhandenen Möglichkeiten auszuschöpfen und weiter auszubauen.

Wattgehtab: Vielen Dank Herr Laaber für das offene Wort und weiterhin viel Erfolg auf der solar-elektrischen Meile.

(mk/wattgehtab.com)

 


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