Hybrid- und Elektroautos: Markterfolg hängt an der Vermarktung, nicht nur an der Technologie
Unternehmen und Markt
Samstag, den 21. März 2009 um 11:52 Uhr
Geschrieben von: Markus Pflegerl
Die Automobilindustrie investiert aktuell massiv in die Erforschung und Entwicklung des Elektroantriebs. Die Kunden nehmen diese Bemühungen allerdings bislang noch nicht ausreichend wahr: In einer Studie hat Roland Berger Strategy Consultants zusammen mit dem Marktforschungs- und Marketingberatungsunternehmen TNS Infratest mehr als 1000 Kunden dazu befragt, wie diese die Aktivitäten der größten Hersteller alternativen Antrieben (Elektrofahrzeuge, Hybridautos) wahrnehmen und welche Marken sie dabei bevorzugen.
Das Ergebnis sollte deutsche Hersteller alarmieren: Während mit Toyota (55%) und Honda zwei japanische OEMs die Liste anführen, landet BMW als beste deutsche Marke mit 19% auf Rang drei (Befragte durften bis zu drei Marken nennen). Die wichtige positive Nachricht für alle Hersteller: Die Bereitschaft, mehr für Fahrzeuge auszugeben, die weniger CO2-Emissionen ausstoßen, ist zwischen 2007 und 2009 gestiegen.
"Die Automobilindustrie steht vor dramatischen Herausforderungen: Während Verkäufe und Gewinne einbrechen, müssen die Hersteller gleichzeitig massiv in die neuen Antriebstechnologien und neue Geschäftsmodelle für die individuelle Mobilität investieren", sagt Ralf Landmann, Partner im Kompetenzzentrum Automotive bei Roland Berger. Vor dem Hintergrund der Weltklima-Diskussion sowie dem Bedürfnis nach Unabhängigkeit von Erdölimporten haben Politiker auf dem gesamten Globus begonnen, legislative Fakten zu schaffen. Technologisch herrscht in der Automobilindustrie mittlerweile Einigkeit darüber, dass die Elektrifizierung des Antriebsstrangs eine Schlüsseltechnologie ist. Also haben die meisten Automobilhersteller begonnen, signifikante Ressourcen in die Erforschung und Entwicklung dieser alternativen Antriebstechnologien zu investieren. Dr. Robert Schröder, Deputy Managing Director von TNS Infratest Automotive, sagt: "Auch die aktuellen Diskussionen um neue Infrastrukturanbieter für alternative Antriebe beweisen, dass sich die Hersteller den anstehenden Veränderungen nicht verschließen dürfen. Sie sollten versuchen eine alternative Zukunft aktiv zu gestalten."
Bemühungen der Hersteller werden kaum wahrgenommen
Auf Seiten der Kunden besteht jedoch weiterhin der Eindruck, die meisten Automobilkonzerne hätten diesen Umbruch nicht rechtzeitig erkannt. So gaben 55% der Teilnehmer an, Toyota bemühe sich am meisten um umweltfreundliche Antriebstechnologien, gefolgt von Honda (20%). BMW belegte mit 19% als beste deutsche Marke Rang drei. Noch deutlicher fällt der Vorsprung Toyotas bei der Frage aus, zu welcher Marke Hybrid- oder Elektroantriebe am ehesten passen: Der japanische Volumenhersteller erhält hier 36% der Nennungen, wiederum gefolgt von Honda, weit vor allen anderen Marken Dabei ist die Bereitschaft, mehr für Fahrzeuge auszugeben, die signifikant CO2-Emissionen reduzieren, zwischen 2007 und 2009 in allen Märkten gestiegen: In Deutschland und Frankreich hat sich der Anteil der Befragten, die bereit wären, für ein umweltfreundliches Auto mehr als 2.000 Euro zusätzlich zu zahlen von 14% auf 20% beziehungsweise von 10% auf 16% erhöht. In Großbritannien stieg die Bereitschaft, mehr als 1.500 Pfund als Beitrag zur Emissionssenkung auszugeben, von 15% auf 17%.
Hersteller müssen jetzt in Marketing investieren
Kundenbedürfnisse und Erfolgsfaktoren im Markt haben sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Neue Technologien sind nicht mehr nur ein Thema für die Entwicklungsabteilung. Nur wer innovativ ist, auf Kundenbedürfnisse eingeht und das auch kommuniziert, wird erfolgreich sein. "Umfassende Kommunikations- und Marketingmaßnahmen sind in diesem Wettlauf entscheidend", sagt Landmann. "Knapp 60% der Befragten fordern zum Beispiel ein besonderes Design für verbrauchs- und emissionsarme Fahrzeuge. Sie möchten zeigen, dass sie ein besonders umweltfreundliches Fahrzeug fahren." Außerdem bewerten die Kunden die Kompetenz des Autohandels, zu Fragen von Treibstoffverbrauch und Emissionswerten zu beraten, durchweg nur als durchschnittlich. Auch hier bieten sich Chancen, sich jetzt vom Wettbewerb abzugrenzen.
Chancen neuer Antriebstechnologien nutzen
Alternative Antriebstechnologien stoßen bei den Verbrauchern generell auf reges Interesse: 68% der Befragten gaben an, an diesem Thema ziemlich oder sehr interessiert zu sein. In Frankreich und Deutschland lag dieser Anteil sogar bei 77% bzw. 76%. "Effiziente und emissionsarme Antriebstechnologien sind bereits heute ein entscheidendes Thema aus Kundensicht", sagt Landmann. "Die Hersteller, die es schaffen, in diesem Bereich nicht nur schnell gute technologische Lösungen anzubieten, sondern das dem Kunden auch zu vermitteln, werden in den kommenden Jahren zu den großen Gewinnern der Branche gehören."
Die Studie kann kostenfrei
bestellt werden.
(Quelle: Roland Berger Strategy Consultants)
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