Exklusiv-Interview zur Studie "Zukunft der Elektrofahrzeug-Technologie" - Hohe Nachfrage

Unternehmen und Markt

warnstorf-pressefoto_wpc Die Ende April 2008 veröffentlichte Studie zur nachhaltigen Individualmobilität und die Zukunft der Elektrofahrzeug-Technologie hat bei Unternehmensberatungsfirmen, Zulieferern und Automobilkonzernen großes Interesse ausgelöst. Die Reaktionen beeindrucken und übertreffen alle Erwartungen bei den Herausgebern der Studie.

Dass Beratungsbüro und Studien-Herausgeber wp consulting gab wattgehtab.com exklusiv die Möglichkeit, einige Fragen zur bisherigen positiven Resonanz zur Studie zu stellen. Das Interview wurde mit dem Geschäftsführer Jörg Warnstorf geführt.






wattgehtab.com: Was waren für Sie selbst die größten Überraschungen bei dieser (Trend-)Studienarbeit?

Warnstorf: Die erste erlebten wir bei den Expertenreaktionen auf die Frage: "Was identifizieren Sie als die aktuell größten Hemmnisse für die schnelle Verbreitung der Elektro-Fahrzeugtechnologie?" Hier hätten wir erwartet, dass die wissenschaftlich-/ingenieurstechnisch geprägten Experten allesamt technische Hemmnisse in den Vordergrund stellen würden. Die Mehrheit der Befragten gab jedoch an, dass es eher die gesellschaftlich, mediale Prägung der potentiellen Käuferschichten ist, die das größte Problemfeld für die breite Einführung von Elektrofahrzeugen darstellt.
(Zu einer ähnlichen Einschätzung sind offensichtlich auch die Marketingstrategen von GM gekommen. So antwortete der GM-Chef Rick Wagoner im FAZ-Interview, auf die Frage ob sich das Elektrofahrzeug zum Verlustbringer entwickeln könnte: "Die beiden Herausforderungen sind, die Kosten für die Batterien zu senken und den Verbraucher von den Vorzügen des Volt zu überzeugen." (FAZ.NET v. 23.05.08)
Die zweite, große Überraschung erlebten wir beim Absatz der Studie. Alle 30, der bislang verkauften, Exemplare gingen ausschließlich an Unternehmensberatungsfirmen, Energieversorger, Zulieferer und die (konventionelle) Automobilindustrie.

wattgehtab.com: Warum glauben Sie, kaufen Unternehmensberatungsfirmen, Zulieferer und Automobilkonzerne diese Studie?

Warnstorf: Wahrscheinlich ist es die schlichte Einsicht, dass am Elektroauto keiner mehr vorbeikommt.
1) Vorab ist da die reine Physik. Ich darf einen der befragten Hochschullehrer zitieren, der auf die Frage: "Welche Fahrzeug(antriebs-)technik macht das Rennen" antwortete "Jeder der Ihnen auf diese Frage etwas Anderes, als reine, batteriegeführte Elektro-Fahrzeuge benennt, hat insbesondere hinsichtlich der Wirkungsgrade von Tuten und Blasen keine Ahnung"
2) Dann sind da die markt- und ressourcenrelevanten Gegebenheiten:
Vor einigen Tagen hat die Energy Watch Group unzweideutig auf die begrenzten Reserven hingewiesen. Das aus hochrangigen Wirtschafts-, Wissenschafts- und Politik-Experten bestehende Fachgremium (darunter auch Vertreter der Deutschen Bank und der deutschen Tankstellenbranche) ließ verlauten, dass das weltweite Fördermaximum bereits im Jahr 2006 mit 81 Millionen Barrel pro Tag erreicht worden ist. Der fossil betriebenen Fahrzeug-Welt geht schlicht die Energie aus.
3) Die klimarelevanten Vorgaben: Bedingt durch die expotentiell steigenden Zulassungszahlen und dem Fakt, dass der Autoverkehr schon heute der drittgrößte CO2-Emittent ist, wird die Politik zum Handeln gezwungen sein. Einflussreiche EU-Parlamentarier definieren bereits die zukünftigen Auflagen für den Klimaschutz: So sollen Neuwagen im Jahr 2020 nur noch durchschnittlich 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen dürfen. Schon die kurzfristig geforderten 120 g wurden als das Ende der deutschen Automobil-Konkurrenzfähigkeit gewertet.
4) Und dann ist da die diffuse - aber berechtigte - Angst den Zug in die Zukunft zu verpassen! Dabei geht es nicht nur um das Agassi/Renault/Nissan-Projekt oder um General Motors, die ihr Elektroauto Chevrolet Volt 2010 zu einem Preis von umgerechnet rund 19.000 Euro auf den Markt bringen wollen. Der Elektrofahrzeugesektor könnte ebenso von einem finanzstarken Player außerhalb der konventionellen Automobilindustrie besetzt werden.

wattgehtab.com: Was müssen die großen und kleinen Anbieter von Elektrofahrzeugen tun, damit eine breite Markteinführung von Elektrofahrzeugen möglich wird?

Warnstorf: Wir haben potentielle Käufer sehr differenziert befragt. Sie werden Verständnis dafür haben, dass wir die Ergebnisse hier nicht Preis geben können. So viel steht jedoch fest: Wir brauchen eine völlig andere gesellschaftliche Wahrnehmung der Elektromobilität. Heute werden 3-Jährige zu potentiellen Käufern eines Fahrzeuges erzogen, das laut "brumm, brumm" macht. Das muss und wird ein Ende haben. Wenn jeder (Jugendliche) in Sachen Individualmobilität nur einen Traum hat, nämlich wenigstens ein Mal ein Elektrofahrzeug fahren zu dürfen, dann sind wir auf dem richtigen Weg.

wattgehtab.com: Sie haben für diese Studie auch Entwickler aus der "konventionellen" Automobilindustrie befragt. Woher resultieren diese Kontakte?

Warnstorf: Nun wir haben als Projektentwickler des ersten (und bislang einzigen) deutschen Symposiums zum 1-Liter-Auto im Nachgang etwas erlebt, wovon Journalisten nur träumen können. Wir wurden von einer ganzen Reihe von Entwicklungsingenieuren aus großen Konzernen angesprochen. Wir pflegen diese Kontakte bis heute und bekommen seitdem einen recht nahen Einblick in die Innenwelt der "alten" Automobilindustrie.

wattgehtab.com: Was waren die Beweggründe dieser Entwickler für die Kontaktaufnahme?

Warnstorf: Es war eine bunte Mischung aus Neugier ("weshalb engagieren Sie sich als Consultants in diesem Bereich?"), Frust ("wir haben gute Ideen, aber man lässt uns nicht"), bis hin zur Jobanfrage ("wenn Sie soweit sind, würden wir gerne an der Entwicklung mitwirken")

wattgehtab.com: Der Elektrofahrzeugsektor ist noch ein Nischenmarkt - Kann man mit einer solchen (Trend-)Studie Geld verdienen?

Warnstorf: Zumindest mit dieser ersten (Trend-)Studie sicherlich nicht. Dafür ist der potentielle Interessentenkreis zu klein, unsere diesbezüglichen Kosten (ca. 50.000 €) zu hoch und der Abgabepreis (85 €) zu niedrig. Im Kollegenkreis sind wir ob des äußerst moderaten Verkaufspreises teilweise etwas belächelt worden. Wir sehen die Sache jedoch etwas differenzierter. Zum einen stellen wir die kompletten Marketing-relevanten-Auswertungen nur unseren Beratungskunden zur Verfügung. Zum anderen wollten wir einigen Akteuren außerhalb des Beratungs- und Automobilsektors einen Einblick in die Trends zukünftiger Individualmobilität ermöglichen. Und da entscheidet häufig einfach nur der Preis.


(Markus Pflegerl / wattgehtab.com, 03.06.2008)



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