EcoCraft stellt Insolvenzantrag, gibt sich aber zuversichtlich

Unternehmen und Markt

EcoCraft stellt Insolvenzantrag, gibt sich aber zuversichtlichAus Medienberichten geht hervor, dass der Niedersächsische Hersteller des Leicht-LKW EcoCarrier jetzt einen Insolvenzantrag stellen musste, da ein sich angekündigter Investor wieder zurückgezogen hatte.

EcoCraft Automotive fertigte in Zusammenarbeit mit Volkswagen Sarajevo den Kleintransporter des Typs EcoCarrier. Jetzt stehen die Bänder offensichtlich still und die Mitarbeiter wurden freigestellt. Rund 300 der Elektro-Leicht-Lkw, die mit einer Leistung von 15 Kilowatt bis zu 75 Kilometer die Stunde fahren und über eine Reichweite von rund 80 Kilometern verfügen, wurden bisher ausgeliefert. Erst kürzlich hatte das Unternehmen einen Großauftrag über 500 Fahrzeuge sichern können. Dazu sind jedoch größere Investitionen erforderlich, da die Fahrzeuge auf Kundenwunsch eine veränderte Frontpartie mit Schiebetüren, sowie Fahrer- und Beifahrerairbags erhalten sollen. Außerdem stand ein Umzug kurz bevor, bei dem EcoCraft von seinem Sitz in Wunstorf in einen größeren Gebäudekomplex im Norden von Hannover ziehen wollte.

Bei dem jetzt gestellten Insolvenz-Antrag, handele es sich um ein Planinsolvenzverfahren, dass das Ziel verfolge, das Unternehmen zu retten, so der EcoCraft-Unternehmenssprecher Ulrich Eggert, der sich in einem Interview der Schaumburger Nachrichten zuversichtlich über eine Weiterführung das Unternehmens äußert.

„Wir beobachten schon seit Anbeginn der sich neu gestaltenden Elektromobil-Szene vor einigen Jahren sehr wohlwollend die Entwicklung des völlig neu konzipierten Elektro-Transporters aus Wunstorf mit weitgehend heimischer Wertschöpfung.“ so Patrick Zankl, Geschäftsführer des ElektroFahrzeug-Instituts, ebenfalls aus Niedersachsen. Und weiter: „Ist doch der EcoCarrier mit einem völlig neu gedachten und umgesetzten E-Fahrzeugkonzept zur Reduzierung der Fertigungsabläufe eines der wenigen wirklich deutschen unternehmerischen Leistungen, die früh Pionierarbeit und Risikobereitschaft miteinander verknüpften und marktreif bekamen. Zu einer Zeit also, als die großen Hersteller erst begonnen, ihre meist über 20 Jahre alten (letzte Ölkrise Ende der ´80er) e-mobilen Entwicklungsblaupausen wieder aus den Schubladen zu bemühen und von diesen Pioniererfahrungen zu lernen.“

„Dies ist im übrigen symptomatisch für die aufkeimende Branche: Einerseits ist kleineren, risikobereiten Pionieren der Weg zum Kapital für einen langen Atem oft erschwert. Andererseits sind es aber eben diese Konzepte die der Markt benötigte, um den elektrischen Antriebsstrang durchsetzungsfähig zu bekommen.

Nicht der Austausch von Tank und Motor in bestehenden, massigen Fahrzeugen wie SUVs und ähnlichem, sondern schlanke, völlig neu konzipierte Fahrzeugleichtbauten, die die zusätzliche Batteriemasse kompensieren helfen, sind letztlich der Weg zu den Kundensegmenten von morgen. Noch immer hoffen jedoch ganze Ingenieurs- und Vertriebslegionen in der angestammten Automotive-Branche, dass Ersteres als Beweis genüge, um dem effizientesten und potentiell umweltfreundlichsten aller Antriebsstränge ein ausreichendes Nischendasein zu bescheinigen.

Unsere in dieser Schlüsseltechnologie noch immer äußerst verhaltene Förderpolitik – weitere Forschungs- und Entwicklungsgelder zur Stützung der „heimischen Industrie“ anstatt der Förderung von Effizienz- und Geschäftsmodellen - tut ihr Übriges hinzu. Maßgeblich erhalten so die Branchengrößen mit Verbrennungsaggregaten ihre Marktmacht, obwohl diese ihr Geld als globale Player längst im Ausland verdienen, während heimische, agile Kompetenzen aufgeben müssen. Wohingegen es noch immer die Klein- und Mittelunternehmen (< 500 Mitarbeiter und < 100 Mio. Umsatz) sind, die > 60% der Arbeitsplätze in Deutschland stellen. Es wäre also ein echter technologischer und volkswirtschaftlicher Verlust, sollte es EcoCraft nicht gelingen, sein Erfolgskonzept fortzuschreiben. Wir sind gespannt.“

(mk/wattgehtab.com)

 


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