Die Fördergeld-Scheuklappen der Wasserstoffwirtschaft
Unternehmen und Markt
Samstag, den 30. Juni 2007 um 23:40 Uhr
Geschrieben von: Markus Pflegerl
(Quelle: ar) Wasserstoff als Energieträger fürs Auto? Ein Traum, geboren in der Zeit des unbegrenzten Ausbaus der Kernenergie, geträumt von der Technologie-Bürokratie in Brüssel und Bonn und gefördert mit vielen Millionen Steuergeldern. Die Wissenschaft hat’s gefreut, konnte sie doch mit dem vielen Geld aus den öffentlichen Kassen die Brennstoffzellenentwicklung vorantreiben. Auch die Automobilhersteller folgten brav dem von der Politik aufgezeigten Weg, heute allerdings mit deutlich geringerer Begeisterung als noch vor Jahren.
Alle hatten sich dem Traum verschrieben und ihren Blick - eingeengt von Fördergeld-Scheuklappen - auf die Wasserstoffwirtschaft gerichtet. Hätte man denselben Elan und dieselben Mittel auf die Entwicklung der Stromspeicher verwendet, wären wir heute dem leistungsfähigen Elektroauto schon recht nahe.
Die Lithium-Ionen-Batterie soll es nun bringen. Sie ist heute schon besser als alle bisher bekannten Stromspeicher, weil sie im Vergleich mit der besten modernen Batterietechnologie NickelMetallhydrid bei gleichem Gewicht ein Vielfaches an Strom bereithalten kann. Das akzeptiert man jetzt und spricht vom großen Entwicklungspotenzial dieser Technologie. Doch mindestens ein Jahrzehnt hat Europa wegen der falschen Weichenstellung hin zum Wasserstoff bereits verloren.
Jetzt erst wachen hier Hersteller auf und kümmern sich um die Lithium-Ionen-Batterie, obwohl doch auch in der Zeit der Wasserstoff-Euphorie schon hätte klar sein müssen, dass auch die Brennstoffzelle die Batterie braucht. So leistungsfähig kann die Brennstoffzelle gar nicht sein, dass sie für alle Fahrzustände dem Elektromotor ausreichend Strom liefern könnte. Also braucht sie ein „Zwischenlager“ für den von ihr produzierten Strom. In die Batterie fließt auch der Strom, der über das Bremsen des Fahrzeugs gewonnen wird. Außerdem liefert sie die Heizung für den Start der Brennstoffzelle.
Wir verdanken es der Hybrid-Antriebstechnik, dass sich die Fahrzeugentwickler darauf zurückbesonnen haben, was sie von der Batterie erwarten müssen. Denn auch beim Hybrid geht es darum, Spitzen in der Fahrleistung und das Anfahren über Strom aus der Batterie zu speisen, die beim Bremsen nachgefüllt wird. Start-Stopp-Automatiken, Nebenaggregate des Motors, Ventilsteuerungen, Lader aller Art, Ladeluftkühlung, Lüftung und Klima - sie alle brauchen in Zukunft Strom aus der Batterie, damit der Verbrennungsmotor verbrauchsgünstiger betreiben werden kann. Auch das verlangt nach einer anderen Batterie als der schweren, uralten Starterbatterie.
Mit dem Hybridabtrieb bekommen die Batterieexperten nun endlich die Aufmerksamkeit und hoffentlich auch die Förderung, die ihnen der Wasserstoff-Aktionismus seit Jahren verbaut hat. Zu wünschen wäre es, weil sich sonst zunächst die Japaner dieser Schlüsseltechnologie bemächtigen werden. Die sind heute schon weiter bei der Entwicklung der Lithiumionen-Technologie als es uns in Europa lieb sein kann.
(ar/Sm)
Von Peter Schwerdtmann
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