Deutsche Autoindustrie verschläft die Zeichen der Zeit!?

Unternehmen und Markt

helmut_becker_iwkDeutschlands Autoindustrie fährt in die Krise, tausende Jobs gehen verloren wie beispielsweise gerade beim Cabrio-Spezialisten Karmann. Die Branche fährt auf Kurzarbeit und Jobabbau zu.

Der Autobauer BMW will 8000 Arbeitsplätze in Deutschland streichen, wegen der anhaltenen Dollar-Schwäche werden u. a. in den USA die Produktionskapazitäten massiv ausgebaut. Der Vorsitzende Manfred Schoch des Gesamtbetriebrates von BMW fordert deshalb das Management auf, nicht den neuen Trend hin zu Leichtbau und Elektrofahrzeuge zu verschlafen.



Wenn das BMW-Management nicht gegensteuert und für neue attraktive Fahrzeuge für den Produktionsstandort Deutschland sorgt, wird dies auch in Zukunft für einen Rückgang der Arbeitsplätze in Deutschland führen. Doch schon jetzt fallen Tausende von Arbeitsplätzen weg, weil künftig der BMW X3 nicht in Deutschland, sondern in den USA vom Band laufen wird.

Dr. Helmut Becker vom Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK) meint dazu: „Arbeitsplätze werden in Deutschland auch in Zukunft abgebaut werden müssen, weil die deutsche Autoindustrie einfach ihre Produktivität steigern muss. Bei Volkswagen braucht man beispielsweise heute 35 Stunden um ein Auto zu bauen, bei Toyota dagegen nur 22 Stunden, da gibt es eine riesige Produktivitätslücke die geschlossen werden muss. Hätte das Management der deutschen Autohersteller dies nicht versäumt, wären diese Massenentlassungen nicht notwendig.“

Die deutsche Automobilindustrie hat einen Fehler bei der Strategie gemacht, die Branche ist zwar in der Oberklasse spitze, doch das genügt längst nicht mehr. Neue Märkte und Kunden jenseits der Premiumklasse wurden vernachlässigt. "Dass die Deutschen im Premiummarkt Weltmeister sind, nützt uns kaum noch was. Der Markt wächst kaum noch und wir haben uns in die Premiumecke abdrängen lassen und haben den Massenmarkt aufgegeben. Und wir sind in den Massensegmenten strategisch schlecht aufgestellt, nennen wir als Beispiel den Managementfehler von Volkswagen im Jahre 1988, wo man sich aus dem US-Markt zurückgezogen hat und so auf dem größten Automarkt der Welt kaum noch präsent ist", sagt Becker.

Es liegen jedoch auch Managementfehler vor, wenn es um das Auto der Zukunft geht. Beispiel Technologie: Total verschlafen wurde der Hybridantrieb, hier ist Japan Weltmeister. Japanische Autobauer erobern hier den Weltmarkt sowohl im High-Tech-Markt wie auch im Massensegment. Und jetzt kommen Billigautos Made in India wie beispielsweise der kleine Tata oder wie die Limousine Made in China von Brilliance in der Mittelklasse.

Billigautos können mit Sicherheit nicht die Zukunft der deutschen Automobilindustrie sein. Die deutsche Automobilindustrie ist eine Hochtechnologieindustrie, in der Vergangenheit wurden leider vom Management die falschen Entscheidungen getroffen. Nämlich hin zu komfortablen Hochleistungsautomobilen, die hohe Verbräuche haben. In Zukunft muss dieses Know-how für kleinere Autos, kleinere Motoren und somit niedrigere Verbräuche eingesetzt werden. Wenn das Management in diese Richtung marschiert und zwar möglichst schnell, dann werden wir auch in Zukunft eine Chance für den Standort Deutschland in der Automobilindustrie haben, so Becker vom IWK.

Sonst kann der deutschen Schlüsselindustrie das gleiche passieren wie einst den Dinosauriern, sie stirbt aus. (mp/wga)


Vielen Dank an "Plug-in Germany" für diesen Hinweis.
(Quelle: ZDF/WISO, Bildmaterial: IWK)



Kommentare 

 
0 #1 2008-12-19 05:58
"Geschrieben von Markus Pflegerl, am Sonntag, 10. Feber 2008"
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