Reichweiten-Rekorde für Elektrofahrzeuge wurden schon einige aufgestellt. Doch dem kleinen Start-up-Unternehmen BEA-tricks aus Bochum gelang ein besonders ehrgeiziges Vorhaben: 1000 Kilometer über öffentliche Straßen von Flensburg nach München – mit nur einer Batterieladung! Der Rekordversuch klappte auf Anhieb, perfekt und ohne Zwischenfälle. Der modifizierte Citroen Berlingo Electrique traf nach 17stündiger Fahrt bereits zum Start der Messe eCarTec am 18. Oktober wohlbehalten in München ein. Der modifizierte Lieferwagen war ausgerüstet mit insgesamt 10 Lithium-Ionen-Batterien. Diese verwendet das auf die Umrüstung des Smart Fortwo spezialisierte Unternehmen sonst einzeln im kleinen City-Flitzer.
„Die Energiespeicher waren übrigens mit dem Eintreffen am Ziel noch nicht leer“, betont Firmenchef Dipl.-Ing. Daniel Sperling. „Wir hätten problemlos weitere 150 Kilometer zurücklegen können.“ Eigentlich hatte das Team mit einer Fahrtzeit von rund 20 Stunden gerechnet. Unterwegs stellte man fest, dass es durchaus schneller geht. Im Schnitt waren die beiden Fahrer, die sich auf der anstrengenden Non-stop-Tour durch Deutschland abwechselten, mit Tempo 50 bis 80 unterwegs. Über Landstraßen und Autobahnen führte die Tour, abgesichert durch ein Begleitfahrzeug, von einer Ökostrom-Ladestation der Stadtwerke Flensburg direkt zur Leitmesse für Elektromobilität in München. Hier war das Fahrzeug bis zum Ende der eCarTec ausgestellt. Die gesamte Rekordfahrt wurde live per Video auf der Firmenseite www.bea-tricks.de ins Internet übertragen.
Bisherige Reichweitenrekorde waren nur mit speziellen Batterien oder auf abgesperrten Strecken erzielt worden. So legte ein mit der Kolibri-Batterie von DBM Energy (Lithium-Metall-Polymer-Akku) ausgerüsteter Audi A 2 im Oktober 2010 die 600-km-Distanz von München nach Berlin zurück. Auch wenn Tests der DEKRA und des Bundesamts für Materialforschung die Leistung und Sicherheit der Kolibri-Batterie bestätigten, blieben Zweifel, weil das Elektroauto zwei Monate nach der Rekordfahrt in Flammen aufgegangen war. Den jüngsten Rekord hatte ein Experimentalfahrzeug der Hochschule Offenburg zurückgelegt: Der aerodynamische „Schluckspecht E“ fuhr mit Lithium-Cobalt-Batterien 1631 Kilometer – allerdings unter Idealbedingungen, auf der abgesperrten Bosch-Teststrecke in Boxberg/Main-Tauber-Kreis. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der vier Fahrer, die sich innerhalb der Gesamtfahrzeit von 36 Stunden am Steuer abwechselten, betrug 45 km/h.
„Mit unserer Fahrt unter realen Bedingungen im üblichen Alltagsverkehr haben wir gezeigt, was mit unseren Lithium-Ionen-Batterien möglich ist“, erläutert Firmenchef Daniel Sperling. Das Kraftpaket, das den Strom für die wegweisende Dauerfahrt bereitstellte, bestand aus 10 Lithium-Ionen-Akkupacks mit einer Gesamtleistung von 180 kWh. Mit dieser Rekordfahrt wurden neue Erfahrungen gesammelt, die in eine verbesserte Batterietechnik für die Elektrifizierung des Smart Fortwo einfließen sollen. Den für diesen Reichweiten-Weltrekord eingesetzten Citroen Berlingo verwendet BEA-tricks sonst für das Zyklen (mehrfaches Auf- und Entladen) der Batterien und als Auslieferungsfahrzeug für Batterien.
(tb/wattgehtab.com)