Ein benzin- oder dieselgetriebenes Auto hört man relativ gut herannahen, Elektroautos dagegen fahren so gut wie lautlos. Auch, wenn die Reifengeräusche relativ schnell überwiegen, gilt gerade im Stadtverkehr und in geschwindigkeitsbegrenzten Zonen die Frage: Wie können Blinde und Menschen mit Sehbehinderung, aber auch Schulklassen und Radfahrer effektiv davor geschützt werden, von einem Hybrid- oder Elektrofahrzeug „überrascht“ zu werden?
Der Deutsche Blinden und Sehbehindertenverband e.V. führte im Januar in Berlin einen Workshop zu dem Thema durch. Doch während es in Deutschland noch keine Gesetzeslage zum Schutz von Handicap-Gruppen gegen die Gefahren einer steigenden Verbreitung flüsterleiser Elektroautos gibt, haben andere Länder wie die USA bereits Fakten geschaffen. Präsident Barack Obama hat am 4. Januar dieses Jahres mit dem Pedestrian Safety Enhancement Act eine Anweisung zur Erarbeitung eines „Mindestgeräusches“ gegeben (Wattgehtab berichtete)
Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen hat hierzu mit einem Forscherteam Antworten gesucht. In der Studie wurde festgestellt, dass unter 30 km/h bei trockener Fahrbahn tatsächlich deutliche Wahrnehmungsschwierigkeiten bestehen können. Für Dudenhöffer sind künstliche Lärmquellen allerdings keine elegante Lösung, denn es wäre „schade“, die leisen Fahrzeuge wieder laut zu machen. Viel eher spricht sich der Forscher für ein vernetztes, zweiseitiges Warnsystem aus, das den blinden Menschen zum Beispiel über Vibrationsalarm seines Handys warnt, dessen Intensität von der Nähe des Elektroautos abhängt. Der Autofahrer könnte über eine Anzeige im Display oder ein Warngeräusch informiert werden, sobald sich eine Person mit Handicap in der Nähe seines Fahrzeugs befindet. So ließe sich die Verkehrssicherheit intelligent erhöhen, statt künstlich Lärm zu schaffen – eine Tendenz, die Dudenhöffer kritisch sieht.
In seinem Vortrag im Rahmen eines Workshops im europäischen Ford-Entwicklungszentrum in Aachen sprach Dudenhöffer darüber hinaus über die Chancen von e-mobility im urbanen Bereich, die in einem groß angelegten Simulationsprojekt der Universität Duisburg-Essen ausgelotet wurden. Dabei versuchte er vor allem, hartnäckige Vorurteile gegenüber elektrischer Mobilität wie zu schwache Stromnetze und ungenügende Reichweiten zu entkräften und auf die potentielle CO2-Einsparung sowie die Relevanz für Megacities hinzuweisen.
(sv/wattgehtab.com)