Klimaschutz per EU-Gesetz

Politik und Förderprogramme

climate_symAus aktuellem Anlass und aufgrund der derzeitigen massenhaften Informationssendungen und Nachrichten in den Medien möchte ich hier über das Vorhaben der EU berichten, den CO2-Ausstoß von Autos per Gesetz zu regeln. Welches ich persönlich als absolut richtigen Schritt ansehe. Der EU-Umweltkommissar Stavros Dimas macht sich insbesondere bei den deutschen Automobilherstellern mit seinem Vorhaben den CO2-Ausstoß per Gesetz zu regeln nicht beliebt. In seinem dritten Amtsjahr ist vielleicht der 65-jährige Grieche der faulen Kompromisse überdrüssig. Klimawandel sei Krieg, sagte er, er könne zum Tod von Millionen Menschen führen und die Weltwirtschaft in eine Kriegswirtschaft verwandeln. Diese neue Politik der Härte gefällt mir, solch ein Durchgreifen ist notwendig, um unseren Kindern und der Nachwelt eine funktionierende Umwelt und Erde hinterlassen zu können. Ich hoffe sehr, dass Dimas dem Druck und der Macht der Autolobby standhalten kann.



Natürlich sind weiterführende Massnahmen in anderen Bereichen wie z. B. der Industrie und der Luftfahrt ebenfalls notwendig. Die Kosten für solche gravierende Massnahmen sind zwar enorm, jedoch kostet es uns mittelfristig viel mehr, wenn wir gar nichts dagegen unternehmen. Die Politik müsste hier unbedingt mit Richtlinien und Gesetzen eingreifen, dann könnte es vielleicht noch nicht zu spät sein, um eine rechtzeitige Stabilisierung, bzw. Umkehr des Klimawandel einzuleiten.

Die europäischen, japanischen und koreanischen Autohersteller hatten sich verpflichtet, bis 2008 den durchschnittlichen CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeuge auf 140 g/km zu senken. Jedoch kann aus heutiger Sicht schon gesagt werden, dass dies wohl nicht erreicht werden wird. Die europäischen Autohersteller liegen derzeit bei einem Durchschnitt von 160 g/km, die asiatischen sind noch weiter davon weg. Dimas will nun gesetzliche anstatt freiwillige Regelungen, um den durchschnittlichen CO2-Ausstoß jedes einzelnen Hersteller bis 2012 auf 120 g/km zu reduzieren. Dies entspricht 4.5 Liter Diesel und 5 Liter Benzin auf 100 km. Dabei ist die Berechnungsgrundlage zu erwähnen, die Regeln sollen nicht als Durchschnitt über die ganze Branche gelten, sondern für jeden einzelnen Hersteller.

Dies hätte für exklusive Sportwagen- und Oberklasse-Hersteller gravierende Folgen, denn diese Autos könnten dann nicht mehr durch die verbrauchsarmen Kleinwagen anderer Hersteller kompensiert werden. Wie die Sanktionen aussehen werden, ist noch offen. Eine ursprüngliche Idee von Dimas war, das Neufahrzeuge von Herstellern deren Emissionen über dem Grenzwert liegen, das diese in der EU nicht mehr zugelassen werden. Mittlerweile sind aber auch schon andere Lösungsansätze im Gespräch, wie z. B. eine Super- oder Strafsteuer für CO2-Schleudern oder Modelle mit einem bestimmten CO2-Ausstoß komplett zu verbieten. Angesichts dieser Tatsachen macht die vor kurzem stattgefundene Beteiligung von Porsche bei VW einen Sinn zu machen. Jedoch reicht dies bei den stark motorisierten Fahrzeugen von Porsche noch weit nicht aus, da müssten sie VW schon zu 100 % übernehmen, um den Grenzwert zu erreichen. Aber auch BMW hat kein einziges Fahrzeug im Programm, welches dem Grenzwert auch nur nahe kommen würde. Experten sagen der deutschen Autoindustrie Umsatzeinbussen von bis 15 bis 50% durch die kommende EU-Umweltpolitik voraus.

think_greenDies spielt natürlich den gegenwärtigen Hybridfahrzeugen und den zukünftigen reinen Elektrofahrzeugen sehr entgegen, was mich persönlich sehr freut. Den deutschen Autobauern ist meiner Meinung nach einfach nicht mehr zu helfen, seit Jahren haben sie die Hybridtechnologie der Japaner verhöhnt und auch angesichts dieser neuesten Vorgaben, erkennt man kein Umdenken und Handeln dieser. Es werden weiterhin SUV´s mit Zweieinhalb-Tonnen hergestellt, damit der Lifestyle-Mensch von heute mit diesem Dickschiff zum Bäcker frische Brötchen holen fahren kann. Zu der Argumentation der deutschen Autobranche kann ich auch nur den Kopf schütteln: „Es könne den Kunden nicht vorgeschrieben werden, was sie kaufen sollen.“ Die Kunden würden grosse Autos verlangen und verderben den Herstellern somit gute Emissionswerte. Ich bezweifle dies sehr stark, denn die neuen Fahrzeugtypen wie z. B. SUV wurden aufgrund von neuen Marktanteilen und Gewinnsteigerungen von den Herstellern erschaffen und eingeführt.

Die Hersteller hätten es sehr wohl in der Hand, um emissionsarme und somit verbrauchsarme Fahrzeuge den Kunden schmackhaft zu machen. Der Grund das dies nicht stattfindet liegt ganz klar auf der Hand, solche Fahrzeuge werfen nicht genug Gewinn ab und sind somit für gewinnorientierte Konzerne uninteressant. Eine Neuausrichtung zur Umweltverträglichkeit der Autos ist dringend notwendig, dies verschlafen die deutschen Autohersteller wieder komplett. Die beliebte Strategie der deutschen Autobauer liegt auf Luxus und Sportlichkeit, dies kann aber aufgrund der Vorhaben der EU-Umweltpolitik sich sehr schnell ändern. Was dies für diejenigen Hersteller bedeutet, welche sich nicht rechtzeitig darauf vorbereitet haben, kann sich wohl jeder selbst vorstellen. Ich hoffe, die EU-Umweltpolitik fixiert sich nicht nur auf den CO2-Ausstoß, sondern betrachtet zukünftig den ganzen Emissionsausstoß. Damit den Stickoxiden, welche auch ein Treibhausgas darstellen, auch der Kampf angesagt wird. Das EU-Vorhaben ist noch nicht rechtskräftig, ich hoffe, das Dimas genügend Rückhalt von der EU-Kommission erhält und es zu keinen faulen Kompromissen kommt.

Statt riesige Summen in Werbekampagnen für den amerikanischen Traum eines Zweieinhalb-Tonner-Dickschiff zu vermittlen, sollten diese Gelder lieber zur Aufklärungsarbeit eingesetzt werden. Am Umwelt- und Klimaschutz führt kein Weg vorbei und dies bedeutet nun mal kleinere und leichtere Autos.

Hier noch eine absolute Pflichtlektüre, ein Leitfaden zu Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen aller neuen Autos. (Ausgabe 2007)
Leitfaden CO2

Fotoquelle: Akuppa (flickr)


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