Ergebnisse der geförderten Modellregionen für E-Mobilität

Politik und Förderprogramme

Vergangene Woche wurden in Berlin die Ergebnisse der acht in 2009 und 2010 durch die Bundesregierung geförderten Modellregionen für Elektromobilität präsentiert und in der Fachöffentlichkeit diskutiert. Das Fazit: "Elektromobilität ist alltagstauglich. Mit den Ergebnissen lässt sich eine Strategie bei der Einführung in den Massenmarkt formulieren." Über 400 Experten und Projektverantwortliche aus Unternehmen, Wissenschaft, Verbänden und Politik waren zusammengekommen, um sich über die empirischen Resultate der Feldtests und Projekte zu informieren und daraus Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung der Elektromobilität zu ziehen. Nach zwei Tagen war die einhellige Meinung: die Projekte waren erfolgreich, ein Anfang ist gemacht.

Ein Bericht mit freundlicher Genehmigung durch Dirk Baranek:

Die verschiedenen Panels mit Vorträgen sowie die Gesprächsrunden mit hochrangigen Fachleuten beleuchteten die diversen Aktionsbereiche, in denen sich die elektrifizierte Mobilität in Deutschland vollzieht. Die Entwicklung der Fahrzeuge für den Individualverkehr, den Wirtschafts- und öffentlichen Verkehr wurden ebenso vorgestellt wie Sicherheitsaspekte und die Anforderungen und Entwicklungschancen urbaner Räume.

Beeindruckende Zahlen

Zusammenfassend kann man feststellen: die Stimmung in der Branche ist verhalten optimistisch. Die Ergebnisse der Modellregionen können sich sehen lassen. Hier ein paar Zahlen:

  • In den Projekten kamen folgende Fahrzeuge zum Einsatz: 59 E-Busse, 241 E-Nutzfahrzeuge, 881 E-PKWs, 693 E-Motorräder/Scooter, 600 Pedelecs.
  • Diese Fahrzeuge haben 2,2 Millionen Kilometer zurückgelegt, wovon allein knapp die Hälfte (eine Million) im Rahmen des Elektronauten-Projektes der EnBW in Stuttgart absolviert wurde.
  • 1.100 Ladestationen mit etwa 2.000 Ladepunkten wurden aufgestellt.

Die Akzeptanz ist da

Bei der zukünftigen Entwicklung geht es vor allem um die Frage, wie es um die Akzeptanz der Bevölkerung beim Thema Elektromobilität bestellt ist. Werden die Verbraucher massenhaft auf den elektrischen Antriebsstrang umsteigen? Die Antworten lieferte Professor Martin Wietschel vom Fraunhofer-Institut ISI, der 800 Teilnehmer an den Modellregionen vor und während deren Praxiserfahrungen mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen befragt hat. Wichtigstes Ergebnis: Das Image der Elektromobilität ist generell sehr gut. Das Fahrverhalten, die Geräuscharmut, der einfache Ladevorgang, die Umweltfreundlichkeit durch Einsatz regenerativer Energien - alle diese Punkte stoßen auf einhellige Zustimmung. Was hingegen Privatleute noch kritisch sehen, sind die höheren Anschaffungspreise für die E-Fahrzeuge selbst. Außerdem trübt das Thema Reichweite das Bild. Dabei beweisen alle Forschungsergebnisse, dass für über 90 Prozent aller Fahrten E-Autos absolut ausreichen. Der kleine Rest scheint das Bewusstsein der Käufer zu bestimmen. Die Angst, mit leerer Batterie liegen zu bleiben, scheint sich hartnäckig selbst bei emobil Erfahrenen zu halten.

50-Jährige Städter als Early Adopter

Welche Bevölkerungsschichten sind aber am aufgeschlossensten für E-Autos? Professor Dirk Fornahl, der an der Universität Bremen regionale Wirtschaftsforschung betreibt, hat diverse Gruppen identifiziert. An viel versprechendsten scheinen ihm Verbraucher, die in Vorstädten oder ländlichen Regionen wohnen, die berufstätig sind und auf jeden Fall ein Automobil benötigen sowie schon heute zwei oder drei im Haushalt haben. Stadtbewohner hingegen, wie Singles oder Studenten, sind zwar aufgeschlossen gegenüber dem Thema, verzichten aber oft auf das eigene Auto oder haben keine Gelegenheit, privat zu laden. Hier könnten allerdings Carsharing-Modelle zum Tragen kommen, denn ab und an brauchen auch ein Städter ein Fahrzeug. Fazit von Fornahl: Die über 40-Jährigen, die in den Reihenhäusern außerhalb der Städte wohnen, könnten langfristig die Hauptnutzergruppe der Elektromobilität im privaten Bereich werden. Übrigens: die Avantgarde, also die ersten, die auf E-Autos umsteigen, könnten, so Fornahl, aus der Gruppe der über 50-Jährigen Städter kommen. Diese seien durchaus bereit, etwas mehr für die innovative und saubere Technik zu zahlen.

Ende des Henne-Ei-Problems

Ein zentrales Argument der Hersteller von Elektroautos auf die Frage, warum sie nicht massiver in die Serienfertigung von E-Autos einsteigen, lautet: ohne Ladeinfrastruktur keine Akzeptanz der E-Mobilität. Erwiderung der Betreiber solcher Ladepunkte: ohne E-Autos keine Stationen. Ein klassisches Henne-Ei-Problem also. Wenn man allerdings ein Ergebnis von dieser Konferenz mitnehmen kann, dann dieses: das Problem existiert eigentlich nicht.

Das Thema Laden wurde fast in allen Vorträgen angesprochen. Es wurde deutlich: die Ladesäule am Straßenrand in der Innenstadt wird massenhaft weder kommen, noch ist sie sinnvoll. Insbesondere die Stadtplaner zeigten sich wenig begeistert angesichts schon jetzt übermäßiger "Stadtmöblierung". Anders stellt sich das bei Quartieren mit mehrstöckiger Wohnbebauung dar. Dort könnten in den Randzonen durchaus Ladestationen angebracht sein, so Professor Franz Pesch und Dr. Wolfgang Rid, Urbanistiker an der Universität Stuttgart. Belegt ist jedenfalls durch die Projekte: Geladen wird zumeist in der heimischen Garage. Dort allerdings werden sich in der Zukunft so genannte Wallboxes verbreiten, die mit entsprechender Technik das sichere Laden der hohen Wattzahlen gewährleisten. Denn inzwischen laden manche E-Autos 50 Kilowatt.

Im öffentlichen Raum werden sich in der nächsten Zukunft eher Lademöglichkeiten in kostenpflichtigen Parkhäusern und -plätzen ausbreiten. Vorteil dieser Standorte: die Stationen können diskrimierungsfrei sein, da die Abrechnung mit der Parkrechnung beglichen wird. Ein solches System läuft bereits testweise in einigen Frankfurter Parkhäusern. Dort wird bei der Einfahrt ein Parkschein mit einem Strichcode geliefert, mit dem man an den Ladesäulen ein- und auscheckt. Abgerechnet wird nach Zeitarif: ein Euro pro Stunde.

Themen: Warntöne, Steckerharmonisierung, Subventionen

Hier in Stichworten weitere Resultate aus den Vorträgen

  • Thema Warnton: künstliche Fahrgeräusche will niemand, weil damit der Lärmvorteil dahin wäre. Allerdings scheint es Sicherheitsprobleme beim Anfahren und bei niedrigen Geschwindigkeiten unter 20 km/h zu geben, wie Tests mit sehbehinderten Probanden ergaben. In diesem Bereich sei moderate Kunsttöne angebracht, so Professor Andre Seeck von der Bundesanstalt für Straßenwesen.
  • Thema Steckerharmonisierung: das Thema ist zwar in Deutschland vom Tisch, aber in Europa oder auch global eben nicht. Eine baldixge Lösung wurde auf der Konferenz immer wieder angemahnt. "Die Verhandlungen laufen," berichtete Stefan Schmitt vom Verkehrsministerium.
  • Thema Anschaffungssubvention: eine direkte Unterstützung beim Kauf eines E-Autos wird es zumindest in dieser Legislaturperiode nicht geben. Das wurde von Vertretern der Bundesregierung mehrfach betont.

Von den Modellregionen zu den Schaufenstern

Für die Zukunft kündigte Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, weitere Initiativen des Bundes an. Denn nach dem Laborcharakter der Modellregionen müsse es jetzt in die Fläche gehen, wovon man sich auch einen starken kommunikativen Impuls verspricht: "Die Bevölkerung muss sehen, was es Neues gibt an Technik auf dem Markt." Folgende konkrete Maßnahmenpakete stehen an:

  • Es wird fünf so genannte "regionale Schaufenster" geben, in denen die Elektromobilität weiter getestet und in die Fläche gebracht werden soll.
  • Der Wettbewerb für die Schaufenster ist gestartet, die Bewerbungsfrist endet am 16. Januar. Einreichungen hat es bereits gegeben oder wurden angekündigt.
  • Insgesamt stehen 180 Millionen Euro Bundesmittel für die Schaufenster bereit.
  • Die Wirtschaft und die Bundesländer werden sich ebenfalls beteiligen.
  • Außerdem stehen für die Zukunft der Modellregionen noch einmal 113 Millionen Euro bereit, um die Projekte weiterzuführen.

Fazit

Man kann also davon ausgehen, dass dies nicht die letzte Konferenz zum Thema Elektromobilität in Deutschland gewesen ist. Die Modellregionen haben gezeigt: Elektromobilität ist alltagstauglich. Mit den Ergebnissen lässt sich eine Strategie bei der Einführung in den Massenmarkt formulieren. Diese umzusetzen bleibt eine Herausforderung für alle Beteiligten. Die Aussichten, dass es gelingt, sind allerdings gut.

(pz/wattgehtab.com)


Kommentare 

 
+1 #1 2011-12-15 14:01
Was bringen die Fördermillionen ?

Elektrofahrzeug e zu diesem Preis und für das, was sie zu bieten haben sind einfach noch nicht vermittelbar.
Gefördert werden leider fast nur imageträchtige Vorzeigeprojekt e der großen Automobilherste ller und Energieunterneh men.
Erfolgversprech ende Umrüst- oder Nachrüstlösunge n kleinerer Unternehmen wie z.B. dem Easybrid werden leider nicht berücksichtigt.
Wann kommt endlich die Kaufprämie für E- Autos ???

Martin Oberdörfer-Schmidt
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