Tesla gefahren, 23. April 09

Elektro-Sportwagen aus Kalifornien

Tesla gefahren, 23. April 09

Beitragvon Alfred » Samstag 25. April 2009, 18:51

Ich bin zufälligerweise vorgestern in Zürich den Tesla Roadster gefahren. Vielleicht sind die folgenden Bemerkungen von Interesse:

- Von diesem Modell baut Tesla zur Zeit etwa 80 Stück pro Monat bei Lotus. Es hat alle Zulassungen und ist crash-getestet: ein nicht geringer Vorsprung vor den meisten anderen vorgestellten Neubauten.

- Tesla hat viel Entwicklungsarbeit reingesteckt und einige Patente beantragt. Es ist keineswegs einfach ein Elektroauto mit grosser Reichweite und solchen Leistungen zu bauen. Es steckt eine grosse Ingenieurleistung dahinter und ich verstehe die Probleme der Autoindustrie mit dieser Entwicklung. Die Technik für die Test-Smarts kaufte Daimler bei Tesla.

- Der Tesla, in dem ich mitfuhr, wurde vortags ohne nachladen, von München nach Zürich gefahren und hatte immer noch Reserven (380km, Angabe Tesla). Nach aufladen über Nacht und dann einem ganzen Tag Probefahrten mit Interessenten, am Tage meiner Fahrt, abends um 2000, war die Batterie auf noch etwa 30%. Der Wagen ist bekanntermassen sehr sportlich und wurde auch entsprechend hart gefahren (sehr eindrücklich).

- Die Reichweite übertrifft alle mir bekannten Konkurrenten um einen Faktor 2-4. Das ist nicht nur eine Frage der Batterie, sondern benötigt besonders gute Elektronik und Motoren, die Tesla selber entwickelt hat. Der gefahrene Wagen war schon mit dem neuen Getriebe mit nur einem Vorwärtsgang und der neueren Elektronik ausgerüstet (aber noch nicht der Elektronik des Modelles S). Dass Tesla ohne konventionelles Getriebe auskommt, trägt ebenfalls zur Effizienz und damit der grossen Reichweite bei.

- Der Verbrauch in einem Rally in Südfrankreich mit 2 Pässen betrug in etwa 130 Wh/km (Angabe Tesla). Das entspricht gut dem Verbrauch, den Tesla bei seinen Reichweitenangaben gemäss EPA-Zyklus nennt. Diese Zahl ist äusserst wichtig für Abschätzungen der Folgen einer eventuellen Elektrifizierung des Transportwesens. Sie zeigt nämlich, dass der Effizienzvorteil der elektrischen Traktion grösser ist, als in vielen Rechnungen etwa veranschlagt wird.

- Selbstverständlich ist der Tesla Roadster nicht für den Massengebrauch gedacht. Er ist klar positioniert in der Strategie von Tesla als "Proof of Concept", das das Machbare umreisst und sich an eine Kundschaft richtet, die gewillt ist mindestens einen Teil der Entwicklungskosten mitzutragen. Es sind zwei weitere Modelle in der Vorbereitung von denen das Erste nun im März vorgestellt wurde und als Prototyp gefahren wird. http://www.teslamotors.com/models/index.php

- Gemäss Elon Musk, dem CEO von Tesla und Hauptgeldgeber, stellt das Modell S für Tesla die 2. Technikgeneration dar. Tesla in Zürich sagte, dass Motor wie Elektronik komplett neu aus den Erfahrungen mit dem Roadster entwickelt wurden. Die praktische Reichweite wird den Roadster nochmals übertreffen. Ich rechne bei der grössten Batterievariante mit etwa 500 km bei einer ähnlichen Fahrt wie die oben genannte von München nach Zürich mit den ersten Serienmodellen. Auf der Webseite von Tesla finden sich weitere allgemeine Angaben zu möglichen Reichweiten unter verschiedenen Bedingungen:
http://www.teslamotors.com/blog4/

- Das Fahrerlebnis ist kaum zu beschreiben. Es gibt im Web einige Schilderungen dazu, die ich nicht wiederholen muss. Das unmittelbare Fahrerlebnis machte mir aber sehr deutlich wie gross der technische Vorsprung von Tesla mittlerweile geworden ist. Wenn man dazu noch berücksichtigt, dass der Weg bis zu einer Zulassung mit allen Crash Tests u.s.w. gemäss Tesla leicht 2 Jahre und einen zweistelligen Millionenbetrag erfordert, wird der Abstand noch grösser. Erwähnt haben sie auch, dass die Zulassung der Li-Ionen Batterien im internationalen Transportwesen (auf Schiffen, Eisenbahn, in Garagen) keine Selbstverständlichkeit ist, sondern mit umfangreichen Zerstörungsexperimenten erworben werden musste.

Tesla dürfte zur Zeit damit immer noch den "State of the Art" darstellen. Elon Musk erwartet zudem, dass Tesla schon im Laufe dieses Jahres (2009) profitabel arbeiten wird.

- Alfred
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Beitragvon PigRace » Samstag 25. April 2009, 19:03

Super Bericht! Vielen Dank, daß Du ihn nicht gelöscht, sondern im Tesla-Forum nochmals eingestellt hast...

Und Glückwunsch zu der Möglichkeit, im Tesla umhergefahren sein zu können! :D Respekt! :wink:

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Beitragvon CrazyChris » Sonntag 26. April 2009, 12:15

Ein paar Fragen hätte ich noch:

Getriebe:
Das Getriebe ist nicht schaltbar, aber trotzdem ist es doch ein Getriebe und kein Direktantrieb und hat damit den entsprechenden Wirkungsgrad. Inwiefern soll das zur Reichweite beitragen?
Der Umstand dass es nicht schaltbar ist hat doch eher Nachteile da auch der E-Motor nicht in allen Drehzahlbereichen optimal läuft. Tesla kann angesichts der brachialen Leistung darauf locker verzichten und sooo groß wird der Nachteil doch nicht sein, aber prinzipiell ist es ein Nachteil sofern man nicht komplett ohne Getriebe auskommt.

Daimler:
Was hat Daimler konkret von Tesla gekauft? Soweit ich weiß liefert Tesla an Daimler Akkusysteme (es geht um einige hundert) weil Daimler mit der eigenen Akkuproduktion noch nicht so weit ist (Evonik, bzw. LiTec). Die ersten Smarts in London hatten aber keine Tesla Akkus und soweit ich weiß ist das auch nicht für die Serie geplant.
Kauft Daimler noch weiteres von Tesla?

Tesla Antrieb:
Soweit ich weiß steckt das von Tesla selbst erarbeitete KnowHow insbesondere in dem Management des Akkussystems und da insbesondere auch im Kühlsystem.
Weiteres vom Antrieb kommt aber wohl von AC Propulsion

http://de.wikipedia.org/wiki/AC_Propulsion

Und die haben ihre Finger in ziemlich vielen Projekten, insbesondere auch dem e-Mini und dem damaligen EV1.


Das Modell S sieht sehr flott aus und die Daten beeindrucken, ich finde es aber schade, dass entgegen ersten Planungen nun doch nicht die Plug-In-Hybrid Variante vorgesehen ist.
Wenn man den Akku auf eine Reichweite von 100km reduziert und einen RangeExtender hinzufügt wäre man von der Reichweite gegenüber einem heutigen Verbrenner in keinster Weise im Nachteil, die Kosten wären sicherlich deutlich geringer als bei einer 500km E-Variante und viele Kunden könnten so auf 95% ihrer Kilometer auch rein elektrisch fahren.
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CrazyChris, Deine Fragen

Beitragvon Alfred » Sonntag 26. April 2009, 14:01

CrazyChris, zu Deinen Fragen:
Getriebe:
Gemäss einem Bericht in den Tesla-Blogs zum Engineering hat "Powertrain 1.5" einen Leistungs- und Reichweitengewinn gebracht. Es wurde aber nicht nur das Getriebe ersetzt. So haben auch andere Aenderungen dazu beigetragen. Tesla sagte unter anderem:
<<One of the most exciting features of this new gearbox (from an EV perspective) that we have been able to validate on the first prototypes is that it has extremely low spinning drag (less than 0.1 Nm of dry drag torque.) This is less than any other gearbox we have tested with the only possible exception being the EV1 gearbox. This low drag contributes to the 1.5 powertrain having a slightly improved range figure.>>
(Quelle und weitere technische Einzelheiten: http://www.teslamotors.com/blog4/?cat=25 )

Zur Zusammenarbeit mit Daimler sagte Elon Musk im Februar 09:
<<We announced last month at the Detroit auto show that we have been working with Daimler (maker of Mercedes) for over a year to create an electric version of the Smart car. Daimler has contracted with Tesla to build the battery packs and chargers for an initial run of 1,000 cars. Pending the results of that test fleet, the relationship could expand to tens of thousands of cars per year....>>
(Quelle Tesla: http://www.teslamotors.com/blog2/?p=70)

Insofern damit der Lader im Auto gemeint war, nehme ich mal an, dass die Elektronik eingeschlossen ist, da wesentliche Bauteile mit der Regelung geteilt werden.

Die Frage bezüglich der Motorsteuerung und Beziehungen zu ACP stellte ich Tesla in Zürich: Die Regelung sei nicht von ACP lizenziert, sondern basiere auf eigener Technik. Ich habe die Patentlage aber noch nicht selber überprüft. Einzelheiten zur Steuerung, die 2007 neu entwickelt wurde, finden sich auf:
http://www.teslamotors.com/blog4/?cat=29

Für mich persönlich wäre eine Hybridisierung eher ein Nachteil, da mir die Reichweite des S mit dem grösseren Batteriepaket komfortabel reichen würde. Geschäftspolitisch gefällt mir dazu Tesla's Geradlinigkeit mit der Konzentration der Kräfte auf Batteriefahrzeuge. Das hat eindeutige betriebliche Vorteile. Zudem ist nicht auszuschliessen, dass die Batterietechnik sich noch schneller als bisher entwickeln wird, sodass eine Investition in Hybride Fahrzeuge für eine kleine Firma recht riskant sein dürfte.

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Beitragvon CrazyChris » Montag 4. Mai 2009, 19:57

Hallo Alfred,

ein extrem leichtgängiges Getriebe zu verbauen ist natürlich ein konsequenter Schritt, aber es ist kein spezieller Vorteil des elektrischen Fahrzeugs da man ja auch Getriebe für Verbrennungsmotoren reibungsoptimieren kann.

Die Info zu der Lieferung an Daimler deckt sich mit dem was ich auch in Erinnerung hatte. Mag sein, dass noch Elektronik dazu gehört - wir werden es nicht erfahren und Daimler wird das sicherlich auch so nicht in Großserie bringen und die Wertschöpfung outsourcen.

Für mich wäre ein reines E-Fahrzeug derzeit untauglich, da ich momentan ständig eine 100km Strecke fahre und am Ziel auch keine Lademöglichkeit habe. Die Strecke wird sich demnächst ändern - dann sind es 300km und über Lademöglichkeiten am Ziel gibts noch keine Prognosen. Der Zustand könnte sich Jahre hinziehen oder auch monatlich ändern. Die Bahnverbindung ist miserabel und deutlich teurer als das Auto.
Ich denke, dass es eine ganze Menge Menschen gibt denen diese Problematik bekannt vorkommt - bei jungen Akademiker-Paaren verschiedener Fakultäten die sich beruflich bundesweit orientieren müssen oder alternativ auf der Strecke bleiben ist das durchaus üblich.
Die dafür notwendige Flexibilität kann derzeit kein E-Fahrzeug bieten, aber ein Plug-In-Hybrid könnte es.

Ein ganz klarer Nachteil ist dabei natürlich, dass das Fahrzeug doch wieder zum jährlichen Ölwechsel muss.
Eine Alternative könnte vielleicht ein herausnehmbarer (sehr kleiner) RangeExtender sein oder ein RangeExtender auf einem Anhänger wie beim AC Propulsion TZero

http://de.wikipedia.org/w/index.php?tit ... 0826124243

Bietet sich aber wohl auch eher nur an wenn man eher selten mal längere Strecken fahren muss.
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Re: Tesla gefahren, 23. April 09

Beitragvon Zarathustra » Dienstag 8. September 2009, 13:43

Toller Bericht über die Fahrt mit dem Tesla Roadster!

Die nach wie vor eingeschränkte Reichweite ist leider noch das Hauptproblem der Elektroautos. Für Vielfahrer ist es einfach keine Alternative.
Mit über 400km ist der Roadster da ja noch weit Spitzenreiter, der Nissan Leaf schafft nach Unternehmensangaben 160km mit einer Akkuladung.
Für CrazyChris´ Anforderungen wäre das schon zu wenig, für einige andere wohl auch.
Ich denke man müsste diese Wagen sowieso zuerst im urbanen Umfeld vermarkten und schrittweise an der Reichweite und einem Abbau an Energieverlusten arbeiten.
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Reichweiten und Markt

Beitragvon Alfred » Dienstag 8. September 2009, 19:57

Zarathustra - Ich bin mit dir einig, dass sicherlich das universell verwendbare Elektroauto noch nicht zu kaufen ist. Wir sind aber mittlerweile recht nahe daran. Zum Beispiel werden auch die im Tesla verwendeten Zellen laufend besser. Man erwartet etwa um 10% pro Jahr, ohne fundamentale Innovation. Meine Ueberlegungen dazu und einigen anderen Aspekten habe ich in englischer Sprache nun auf ein paar Web-Seiten hier zusammengestellt.
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Re: Tesla gefahren, 23. April 09

Beitragvon CrazyChris » Dienstag 8. September 2009, 22:09

Auch bei 500km Reichweite wäre für mich noch bei ein paar Fahrten ein RangeExtender nötig.
Wenn er also eh drin sein muss frage ich mich wozu ich 500km elektrische Reichweite brauche wenn ich mit 100km schon 95% meiner Kilometer abdecken könnte und dabei einen wesentlich leichteren und billigeren Akku hätte.
Das Problem ist nur, dass auch der Akku noch gut Geld kostet - das muss billiger und langlebiger werden.
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