Ich bin zufälligerweise vorgestern in Zürich den Tesla Roadster gefahren. Vielleicht sind die folgenden Bemerkungen von Interesse:
- Von diesem Modell baut Tesla zur Zeit etwa 80 Stück pro Monat bei Lotus. Es hat alle Zulassungen und ist crash-getestet: ein nicht geringer Vorsprung vor den meisten anderen vorgestellten Neubauten.
- Tesla hat viel Entwicklungsarbeit reingesteckt und einige Patente beantragt. Es ist keineswegs einfach ein Elektroauto mit grosser Reichweite und solchen Leistungen zu bauen. Es steckt eine grosse Ingenieurleistung dahinter und ich verstehe die Probleme der Autoindustrie mit dieser Entwicklung. Die Technik für die Test-Smarts kaufte Daimler bei Tesla.
- Der Tesla, in dem ich mitfuhr, wurde vortags ohne nachladen, von München nach Zürich gefahren und hatte immer noch Reserven (380km, Angabe Tesla). Nach aufladen über Nacht und dann einem ganzen Tag Probefahrten mit Interessenten, am Tage meiner Fahrt, abends um 2000, war die Batterie auf noch etwa 30%. Der Wagen ist bekanntermassen sehr sportlich und wurde auch entsprechend hart gefahren (sehr eindrücklich).
- Die Reichweite übertrifft alle mir bekannten Konkurrenten um einen Faktor 2-4. Das ist nicht nur eine Frage der Batterie, sondern benötigt besonders gute Elektronik und Motoren, die Tesla selber entwickelt hat. Der gefahrene Wagen war schon mit dem neuen Getriebe mit nur einem Vorwärtsgang und der neueren Elektronik ausgerüstet (aber noch nicht der Elektronik des Modelles S). Dass Tesla ohne konventionelles Getriebe auskommt, trägt ebenfalls zur Effizienz und damit der grossen Reichweite bei.
- Der Verbrauch in einem Rally in Südfrankreich mit 2 Pässen betrug in etwa 130 Wh/km (Angabe Tesla). Das entspricht gut dem Verbrauch, den Tesla bei seinen Reichweitenangaben gemäss EPA-Zyklus nennt. Diese Zahl ist äusserst wichtig für Abschätzungen der Folgen einer eventuellen Elektrifizierung des Transportwesens. Sie zeigt nämlich, dass der Effizienzvorteil der elektrischen Traktion grösser ist, als in vielen Rechnungen etwa veranschlagt wird.
- Selbstverständlich ist der Tesla Roadster nicht für den Massengebrauch gedacht. Er ist klar positioniert in der Strategie von Tesla als "Proof of Concept", das das Machbare umreisst und sich an eine Kundschaft richtet, die gewillt ist mindestens einen Teil der Entwicklungskosten mitzutragen. Es sind zwei weitere Modelle in der Vorbereitung von denen das Erste nun im März vorgestellt wurde und als Prototyp gefahren wird. http://www.teslamotors.com/models/index.php
- Gemäss Elon Musk, dem CEO von Tesla und Hauptgeldgeber, stellt das Modell S für Tesla die 2. Technikgeneration dar. Tesla in Zürich sagte, dass Motor wie Elektronik komplett neu aus den Erfahrungen mit dem Roadster entwickelt wurden. Die praktische Reichweite wird den Roadster nochmals übertreffen. Ich rechne bei der grössten Batterievariante mit etwa 500 km bei einer ähnlichen Fahrt wie die oben genannte von München nach Zürich mit den ersten Serienmodellen. Auf der Webseite von Tesla finden sich weitere allgemeine Angaben zu möglichen Reichweiten unter verschiedenen Bedingungen:
http://www.teslamotors.com/blog4/
- Das Fahrerlebnis ist kaum zu beschreiben. Es gibt im Web einige Schilderungen dazu, die ich nicht wiederholen muss. Das unmittelbare Fahrerlebnis machte mir aber sehr deutlich wie gross der technische Vorsprung von Tesla mittlerweile geworden ist. Wenn man dazu noch berücksichtigt, dass der Weg bis zu einer Zulassung mit allen Crash Tests u.s.w. gemäss Tesla leicht 2 Jahre und einen zweistelligen Millionenbetrag erfordert, wird der Abstand noch grösser. Erwähnt haben sie auch, dass die Zulassung der Li-Ionen Batterien im internationalen Transportwesen (auf Schiffen, Eisenbahn, in Garagen) keine Selbstverständlichkeit ist, sondern mit umfangreichen Zerstörungsexperimenten erworben werden musste.
Tesla dürfte zur Zeit damit immer noch den "State of the Art" darstellen. Elon Musk erwartet zudem, dass Tesla schon im Laufe dieses Jahres (2009) profitabel arbeiten wird.
- Alfred
