Porsche folgt dem Strom: Boxter E, Panamera Hybrid, 918 RSR und eRuf

Elektroautos

Porsche Boxter E (Bildmaterial: Porsche) Das Elektromobilität und reinrassige Sportwagen sich nicht ausschließen, dürfte spätestens mit dem Erscheinen des Tesla Roadster klar geworden sein. Wer weitere Beispiele sucht, braucht sich nur den Mercedes SLS AMG E-CELL oder den Audi e-tron anschauen. Auch Sportwagen von Porsche können sich nicht länger dem „Strom“ der Zeit entziehen.

Mit dem Rollout des ersten von drei rein elektrisch angetriebenen Boxster E startete die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Stuttgart, vor zwei Wochen einen Praxistest im Rahmen des Großversuchs „Modellregion Elektromobilität Region Stuttgart“. Ziel des Gesamtprojekts sei, so Matthias Müller, Vorsitzender des Vorstandes der Porsche AG, mit drei rein elektrisch angetriebenen Boxster Erfahrungen über die Alltagstauglichkeit und das Nutzerverhalten – insbesondere beim Fahren und Laden – zu gewinnen. Daraus sollen Forscher Erkenntnisse über Anforderungen an künftige Produkte sowie über die Einbindung von Elektrofahrzeugen in die Infrastruktur gewinnen.

Laut Porsche biete der Boxster durch sein Konzept als Mittelmotor-Sportwagen die ideale Fahrzeugbasis für die alltagsnahe Erprobung des Elektroantriebes. „Der offene Zweisitzer ist sehr leicht und ermöglicht es, die neuen Komponenten Elektromaschine, Batterie und Hochvolttechnik crashsicher im Fahrzeug unterzubringen. Gleichzeitig garantieren Fahrleistungen auf Niveau eines Boxster S mit konventionellem, verbrennungsmotorischem Antrieb die zukunftsfähige Faszination Sportwagen mit neuer Technologie“, heißt es in der Pressemeldung. Die Boxster E werden je nach Konfiguration von bis zu zwei Elektromotoren mit zusammen 180 kW angetrieben. Als Energiespeicher dient eine Batterie mit einer Kapazität von 29 Kilowattstunden.

Medienberichten zufolge könnte es bei Porsche jedoch noch 10 bis 15 Jahre dauern, bevor vollelektrische Porsche-Sportwagen für die Kunden erhältlich sind. Ganz anders hingegen lautet Porsches Hybridstrategie. Laut einem Bereicht in der Automobilwoche soll es in den nächsten fünf Jahren in jeder Baureihe eine Plug-In-Hybrid-Version anbieten.

Porsche Panamera S Hybrid (Bildmaterial: Porsche) Zwar noch ohne Stecker aber trotzdem teilelektrisiert zeigt sich Porsche auf dem diesjährigen Genfer Automobil-Salon. Neben dem bereits erhältlichen Cayenne S Hybrid wird Porsche mit dem Panamera S Hybrid den, nach eigenen Angaben, sparsamsten Porsche aller Zeiten präsentieren. Mit einer Gesamtleistung von 380 PS (279 kW) soll der Verbrauch im besten Fall bei 6,8 Litern Kraftstoff auf 100 Kilometer im NEFZ liegen. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 159 g/km. Die Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h absolviert der Panamera S Hybrid in 6,0 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 270 km/h erreicht. Die rein elektrische Reichweite liegt bei rund zwei Kilometern, elektrisches Fahren ist je nach Fahrsituation bis zu 85 km/h möglich. Der Porsche-Hybridantrieb ermöglicht das so genannte „Segeln“ bei höheren Geschwindigkeitsbereichen. Dabei wird bei Geschwindigkeiten von bis zu 165 km/h (Cayenne S Hybrid: 156 km/h) in Phasen ohne Antriebsleistung der Verbrennungsmotor vom Antriebstrang abgekoppelt und abgeschaltet.

Der Panamera S Hybrid wird von dem Motorenteam angetrieben, das bereits im Cayenne S Hybrid zur Anwendung kommt: Den Hauptantrieb übernimmt ein Dreiliter-V6-Kompressormotor mit 333 PS (245 kW), der von einer Elektromaschine mit 47 PS (34 kW) unterstützt wird. Die Elektromaschine, die als Generator und Starter dient, ist mit einer Nickel-Metallhydrid-Batterie (NiMh) verbunden, in der die beim Bremsen und Fahren gewonnene elektrische Energie gespeichert wird.

Porsche 918 RSR (Bildmaterial: Porsche) Flankiert wird die Weltpremiere des Hybrid-Panamera in Genf von der Hybrid-Rennsportstudie 918 RSR mit Schwungradspeicher, die nun erstmals in Europa der Öffentlichkeit präsentiert wird. Das Mittelmotor-Coupé führt das Design des 918 Spyder mit der Technologie des Rennwagens 911 GT3 R Hybrid zusammen.

Zeitgleich mit Porsches Ankündigung in Stuttgart drei Boxter E einsetzen zu wollen, berichtet der Fahrzeugveredler RUF Automobile GmbH in Zusammenarbeit mit der Siemens AG zehn Elektrosportwagen auf Basis des 911 zu entwickeln. Bereits 2009 hatten die beiden Unternehmen den eRuf Greenster vorgestellt (Wattgehtab berichtete).

eRuf (Bildmaterial: RUF)Für einen endverbrauchernahen Feldversuch werden die zehn aufgerüsteten eRUF-Fahrzeuge im ersten Halbjahr 2011 vorgestellt. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesumweltministerium (BMU), das insbesondere an der Praxiserprobung der unterschiedlichen Batterie- und Antriebskonzepte interessiert ist. Dazu sind alle Fahrzeuge mit Datalogging-Systemen ausgerüstet.

Folgende Konzepte werden im Rahmen des eRUF-Projektes verfolgt:

1. Ein-Motoren-Konzept

- Basisfahrzeug Porsche 997 Carrera
- Siemens-Elektromotor (180kW) und Inverter
- Porsche Seriengetriebe
- Lithium-Ionen-Batterien mit einem Energiegehalt von 29 kWh
- Intergrierte Ladegeräte, DCDC-Wandler, Steckdose, Stecker und Ladekabel
- Innenraumheizung
- Datenerfassungsgerät zur Auswertung und Dokumentation der Lade-, Fahr- und Komponentendaten
- Reichweite ca. 150 km, Höchstgeschwindigkeit ca. 220 km/h, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in ca. 7 Sekunden

2. Zwei-Motoren-Konzept mit Zweigang-Getriebe

- Basisfahrzeug Porsche 997 Carrera
- Zwei quer angeordnete Siemens-Synchron-Motoren (250 kW) und zwei Inverter
- Automatisiertes Zweigang-Getriebe, Sperrdifferential
- Flüssigkeitsgekühlte und heizbare Lithium-Ionen-Batterien mit einem Energieinhalt von 36.6 kWh
- Intergriertes Ladegerät, DCDC-Wandler, Steckdose, Stecker und Ladekabel
- Innenraumheizung
- Datenerfassungsgerät zur Auswertung und Dokumentation der Lade-, Fahr- und Komponentendaten
- Reichweite ca. 200 km, Höchstgeschwindigkeit ca. 220 km/ h, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in ca. 5 Sekunden

3. Zwei-Motoren-Konzept mit Torque-Vectoring

- Basisfahrzeug Porsche 997 Carrera
- Zwei quer angeordnete Siemens-Synchron-Motoren (250 kW) und zwei Inverter
- Zwei getrennte Winkelgetriebe zum unabhängigen Antrieb der Räder
- Flüssigkeitsgekühlte und heizbare Lithium-Ionen-Batterien mit einem Energieinhalt von 36.6 kWh
- Ladekonzept über Inverter, DCDC-Wandler, Steckdose, Stecker und Ladekabel
- Innenraumheizung
- Datenerfassungsgerät zur Auswertung und Dokumentation der Lade-, Fahr- und Komponentendaten
- Reichweite ca. 200 km, Höchstgeschwindigkeit ca. 180 km/h, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in ca. 5 Sekunden

Alle eRUF-Feldversuchsfahrzeuge sollen eine TÜV-Einzelabnahme erhalten.

(mk/wattgehtab.com)


Kommentare 

 
0 #1 2011-02-25 19:11
Hammer:-)
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