Opel Ampera und VW Golf blue-e-motion – wer macht das Rennen?

Elektroautos

Opel Ampera und Golf blue-e-motion – wer macht das Rennen? (Bildmaterial: Opel)Vier Jahre nach der Vorstellung des ersten Konzeptfahrzeugs auf der Detroit Auto Show hat Opel bekannt gegeben, dass der Opel Ampera ab Ende 2011 für 42.900 Euro bei den europäischen Händlern stehen wird. VW präsentiert das Konzeptfahrzeug des Golf blue-e-motion auf der kommenden LA Auto Show und stellt als Marktstart Ende 2013 in Aussicht.

Das Rennen um die elektromobile Vorherrschaft in Deutschland hat begonnen. Doch auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte der Elektro-Golf dieses Rennen bereits verloren. Halten die beiden Automobilhersteller ihre Versprechen, dann fände die Markteinführung des Golf blue-e-motion erst ganze zwei Jahre nach dem Startschuss des Opel Ampera statt.

Bei beiden Fahrzeugen handelt es sich zwar um Elektroautos, doch unterscheidet sich das Antriebskonzept des Opel entscheidend von dem des Golfs. Am Ende könnte sich VWs verspäteter Start sogar als Vorteil herausstellen.

Der Opel Ampera und der baugleiche Chevrolet Volt, der in diesen Tagen an die ersten Kunden in den USA ausgeliefert wird, haben, im Gegensatz zum Golf, einen kleinen Verbrennungsmotor mit an Bord. Dieser 1,4-Liter-Vierzylinder-Ottomotor kann wahlweise mit Benzin oder Ethanol betrieben werden und dient dem Elektro-Opel als Reichweitenverlängerer. Erst nachdem die 16-kWh-Batterie nach etwa 40-80 Kilometern elektrischer Reichweite leergefahren ist, springt der Verbrennungsmotor ein und versorgt den Elektromotor und die Batterie mit frischem Strom und ermöglicht somit eine Gesamtreichweite von etwa 500 Kilometern.

Ähnlich wie beim Hybrid-Pionier Toyota Prius ist im Ampera ein Planetengetriebe verbaut, dass den Elektromotor, Generator und Verbrennungsmotor zusammenbringt, um, je nach Fahrsituation, die bestmögliche Effizienz des Gesamtsystems zu ermöglichen. So kann es vorkommen, dass der Verbrennungsmotor in bestimmten Situation nicht nur ausschließlich für die Stromerzeugung zuständig ist, sondern in unterstützender Funktion auch für den Fahrzeugvortrieb eingesetzt wird. General Motors gibt an, dass durch diese Leistungsverzweigung der Kraftstoffverbrauch um 10-15% gesenkt werden konnte.

Der GM-Konzern informierte aus patentrechtlichen Gründen erst im vergangen Monat über diese technische Besonderheit und sorgte damit, besonders beim US-Fachpublikum, für Aufregung, da bisher immer behauptet wurde, es handele sich beim Ampera/Volt um ein Elektrofahrzeug mit Reichweitenverlängerer (ER-EV), bei dem der Verbrennungsmotor niemals die Räder antreiben würde. Traut man den Studien, dass 80% der Europäer nicht mehr als 60 Kilometer pro Tag mit dem Auto zurück legen, so sollte es den meisten eigentlich egal sein, wie die Reichweitenverlängerung beim Ampera im Detail stattfinden wird, da sie fast nie zum Einsatz kommen dürfte.

Opel Ampera und Golf blue-e-motion – wer macht das Rennen? (Bildmaterial: VW)VW kennt diese Statistiken auch und zitiert das Statistische Bundesamt: 6 von 10 Erwerbstätigen fahren mit dem Auto zur Arbeit – im Schnitt legen dabei 45,8 Prozent von ihnen weniger als 10 Kilometer (einfache Fahrt), weitere 28,1 Prozent zwischen 10 und 25 Kilometer und 16,2 Prozent mehr als 25 Kilometer zurück.

Das mag vielleicht auch der Grund dafür sein, dass das Golf-Konzeptauto nur über einen Elektromotor und eine Batterie verfügt und ohne Zusatzkraftwerk ausgestattet ist. Zwar ist die größere Batterie deutlich schwerer als beim Opel, aber dafür muss der Golf nicht ständig Verbrennungsmotor, Kraftstofftank, Generator und Getriebe mit sich herumtragen. Mit etwa einem Drittel mehr Batteriekapazität ist die elektrische Reichweite von bis zu 150 Kilometern fast doppelt so groß.

Jedoch soll der E-Golf nicht vor Ende 2013 kommen und das wären zwei wertvolle Jahre, in denen VW viel an elektromobilem Boden an Opel verlieren könnte. Wiederum kann es sich auch als Vorteil erweisen, da der Elektropionier Ampera mit seiner „Angstverdränger“-Technologie in den zwei Jahren wertvolle Aufklärungsarbeit leisten wird, so dass der ausschließlich elektrisch angetriebene Golf leichtes Spiel bei mindestens 80% der europäischen Kunden haben dürfte!

 

Opel Ampera/
GM Volt

VW Golf
blue-e-motion

Leistung E-Motor 111 kW 85 kW
Drehmoment E-Motor 370 Nm 270 Nm
Batteriekapazität 16 kWh 26,5 kWh
Höchstgeschwindigkeit 161 km/h 135 km/h

Reichweite

elektrische
gesamt
40-80 Km
500 Km
150 Km
-
Länge 4.404 mm
4.199 mm
Breite 1.798 mm
1.786 mm
Höhe 1.430 mm
1.480 mm
Leergewicht 1.719 kg
1.545 kg
Batteriegewicht 180 kg
315 kg
Laderaumvolumen 301 Liter
275 Liter
cW-Wert 0,26 0,30

 

(mk/wattgehtab.com)


Kommentare 

 
+2 #2 2010-11-15 17:09
"Mobilitätstyp" ist das Stichwort...

Der Artikel deutet das absolut richtig an.

Letzten Endes sollte zukünftig jedermann bereit sein, sich vor dem Autokauf zwei Fragen zu Stellen:

1. Welche Einschränkungen bin ich bereit hinzunehmenn?

2. Welchem Mobilitätstypus entsprechen meine Fahrgewohnheite n?

Ähnlich wie beim Computerkauf ließe sich so feststellen, welche Mindestanforder ungen man an sein Auto hat und ob ein reines Elektroauto überhaupt in Frage kommt.

Beste Grüße aus Tübingen,
Ihr greenmotorsblog -Team
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+7 #1 2010-11-14 23:43
Elon Musk mit seinem Tesla Roadster (seit 2008) und Tesla Model S (ein rollender Computer), gefolgt von Mitsubishi mit dem i-Miev (seit 2009), sowie Nissan mit dem Leaf (ab jetzt) und Renault mit sage und schreibe 4 verschiedenen EV Modellen (ab Anfang 2011) im Portfolio - DAS sind die HELDEN!!!
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