Daimler und Google intensivieren strategische Partnerschaft

Elektroautos

Blick durch die Windschutzscheibe eines Mercedes-Benz, angereichert mit Informationen durch Telematikdienste (Bild:Daimler AG) Daimler und Google kündigen in Las Vegas eine Intensivierung der bestehenden Partnerschaft an und erlauben so dem jeweils anderen frühzeitigere Zugriffe auf dessen automobile Anwendungen. Die Vision von Daimler und Google sieht zukünftig geCLOUDe Autos im Sinne von Mehrwertdiensten auf Kommunikations- und Informationsbasis, wie Ansätze derzeit auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas zeigen. Die Kooperation bietet Daimler früheren Zugriff auf Google-Schnittstellen für die Entwicklung automobiler Anwendungen. Damit ermöglichen beide Partner zukünftigen Mercedes-Benz Fahrern den Zugang zu Google Maps und Google Places aus der vernetzten und vorkonfigurierten Telematik des Autos heraus.

Im Rahmen der International Consumer Electronics Show (CES) haben Daimler und Google nun eine Intensivierung ihrer bisherigen Partnerschaft verkündet. Damit erhält Daimler direkten Zugang zu „Google Maps API for Business“, den Schnittstellen für automobile Anwendungen (Application Programming Interfaces, APIs) für die Nutzung von cloud- und kartenbasierten Diensten. Darüber hinaus kann der Stuttgarter Automobilhersteller dadurch frühzeitig auf künftig entwickelte APIs zugreifen. Mit den bereits existierenden APIs wie Google Maps und Places kommen Mercedes-Benz Kunden in den Genuss zahlreicher Services. Über die Cloud sollen Elektrofahrzeuge so zur nächsten Ladesäule geleitet werden. Nach der Vision werden Staus vermieden, indem Fahrzeuge Informationen über Straßenzustand und Verkehr teilen. Die ständige Verbindung zu Netzdiensten soll neben heutiger Navigation auch Zugang zu E-Mails oder Social Media erlauben oder generell nach Bedarf das Laden von Sofware aus der Cloud ermöglichen, weil das Auto stets online ist. Daimler-Chef Dieter Zetsche hierzu in einem Interview: „Wir dürfen das Auto nicht zu einer Spielhölle machen, Es ist unsere Aufgabe, Vernetzung zu ermöglichen, ohne nennenswerte Ablenkung zu erzeugen.“

Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt (r.) und Eike Böhm, Leiter Produktinnovationen und Prozesstechnologien bei Daimler (l.), besiegeln die neue Kooperation. Der Schulterschluss mit Google ermöglicht es Daimler, Google Maps für Kartenanwendungen im Fahrzeug zu nutzen und hilfreiche Kartenfunktionen zu integrieren. Durch die direkte Integration innovativer Google-Produkte kann Mercedes-Benz die Einführung aktuellster Technologien im Automobil noch beschleunigen. Das Unternehmen wurde jetzt bspw. für das im Herbst 2011 eingeführte, auf dem Android-Betriebssystem von Google (AndroidTM) basierende Telematik-System „AMG Performance Media“ mit dem „International CES Innovations 2012 Design and Engineering Award“ ausgezeichnet.

Erfolgreiche Zusammenarbeit bereits in Vergangenheit

Google und Daimler arbeiten bereits seit Jahren in enger Partnerschaft zusammen. So brachte Daimler schon 2007 als erster Automobilhersteller in den USA die Google-Funktionalität „Send-to-Car“ ins Fahrzeug. Mercedes-Benz Kunden in den USA können so Ziele aus Google Maps benutzerfreundlich ans Fahrzeug senden und dort in die Navigation übernehmen. Seit 2011 bietet Mercedes-Benz mit COMAND Online („MyCommand“ in Europa entspricht dem in Amerika zukünftigen „mBrace2“) ein Telematiksystem mit cloud-basierten Mercedes-Benz Apps, das unter anderem die Integration von Google Street View, Panoramio und die lokale Suche in die meisten Mercedes-Benz Pkw ermöglicht. Auch ist es mit COMAND Online erstmals möglich, individualisierte Routen via Google Maps direkt ins Auto zu übertragen. Im zweiten Quartal 2012 werden all diese Funktionalitäten mit „mbrace2“ auch für Mercedes-Benz Kunden in den USA verfügbar sein.

Allianzen als Kompensation drohender Wertschöpfungsverluste

Gründe für die Weiterentwicklung „Erlebniswelt Auto“ und der weiteren Emotionalisierung des Fahrzeugs mag es viele geben. Ein wesentlicher Grund dafür, liegt nach unserer Meinung von wattgehtab.com aber insbesondere in der Einfachheit und zugleich weitaus höheren Effizienz von Elektro- gegenüber Verbrennungsfahrzeugen und dem global eingesetzten Wettlauf darum. Denn das drohende Wegbrechen von Wertschöpfungsanteilen in der Automobilindustrie will wenigstens durch strategische Allianzen, die das Serviceangebot an anderer Stelle erweitern helfen, kompensiert werden. E-Fahrzeuge enthalten weniger Kompenenten und lassen daher weniger Wartung sowie einen geringerne Ersatzteilbedarf erwarten. Es lässt sich wie an diesem Beispiel generell feststellen, dass insbesondere die Elektromobilität geradezu ein Technologietreiber und Wegbereiter für derartige, neue Kooperationen und zugehörige Diensteangebote darstellt.

Zetsche in einem Interview auf die Frage, ob nicht auch Unternehmen wie Google oder Apple einmal zu direkten Wettbewerbern werden könnten: „Ausschließen würde ich das nicht.[...] Es gibt auch viele Zulieferer, die einen großen Teil der Wertschöpfungskette übernehmen können. Es wäre grundsätzlich dumm und gefährlich von uns zu sagen, wir sind hier für die Ewigkeit und keiner kann, was wir können.“

(pz/wattgehtab.com)


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