Der Stromos von German E Cars - die Entdeckung der Gelassenheit

Elektroautos

Stromos auf dem Hohen Peißenberg (Bildmaterial: boro-Media) Was leistet ein Elektroauto wie der neue Stromos und was bietet er für den Kaufpreis von rund 42.000 Euro?

Die großartige Alpen-Rallye e-miglia 2010 vom 3. bis 6. August (e-miglia.com) bot mir die Chance, den schönen Viertürer einen Tag lang im verschärften Einsatz zu testen. Begleitet von einem bayerischen Rallye-Urgestein konnte ich den Wagen auf der ersten Etappe ausgiebig kennen lernen. Co-Pilot Oskar Hiendlmayer aus Eggenfelden las das Roadbook, und mit ihm hatte ich einen sicheren Scout an meiner Seite. Über eine Distanz von 120 Kilometern ging die anregende Fahrt vom Gelände des TÜV Süd in München hinaus ins Allgäu - über Starnberg und Weilheim in die Stadt der Königsschlösser, nach Füssen.

Mein Fazit vorweg: Der vom VW-Zulieferer Fräger zum Elektromobil umgebaute Suzuki Splash überzeugt durch tadellose Fahrleistung. Der Stromos ist gut verarbeitet und bietet vier Personen samt Gepäck bequemen Platz. Koffer und Taschen von anderen Teilnehmern nahmen wir auf dem Rücksitz mit. Laut Herstellerangaben bewältigt er problemlos 100 abgasfreie Kilometer im Alltag. Schließlich rollt er elektrisch und „tankt“ an der normalen Haushalts-Steckdose. Stromkosten: 3 bis 4 Euro auf 100 Kilometern – da freut sich die Geldbörse.

Der Stromos summt so leise vor sich hin, dass sich die Ruhe automatisch auf den Fahrer hinter dem Steuer überträgt. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings das Starten. Denn die blaue Displayanzeige verlangt vom Fahrer Geduld. Zündschlüssel drehen und dabei brav die Bremse treten, sonst tut sich gar nichts. Das vom Benziner gewohnte Motorgeräusch bleibt aus. Erst gefühlte 30 Sekunden später gibt der Stromos den Vortrieb frei. Ich habe mich schnell daran gewöhnt.

Erster Gang und los. Kaum haben wir endlich den morgendlichen Stau in München verlassen, rollen wir im vierten oder fünften Gang mit 80 bis 100 km/h über Landstraßen Richtung Starnberg. Das 5-Gang-Getriebe schaltet exakt, vor allem an Bergaufpassagen macht sich die Schaltung später sehr positiv bemerkbar. Herunterschalten – und der Stromos zieht am Mittag locker die schmale und steile Straße den Hohenpeißenberg hinauf. Auf dem Gipfel des 988 Meter hohen Berges, des Monte Rigi, befindet sich die erste Ladestation dieser Tagesetappe. Oben bietet sich ein wunderschönes Panorama: Freie Sicht bis zum Ammersee und auf die Satellitenschüsseln der Erdfunkstelle Raisting.

Wie sieht es mit dem Energieverbrauch im Stromos aus? Wie voll ist die Batterie nach exakt 73 zurückgelegten Kilometern? Vor allem die kraftzehrende Bergfahrt macht sich bemerkbar: Nur noch magere 17 Prozent zeigt die Ladeanzeige! Oskar schließt das Ladekabel an, steckt den Stecker in die Dose und wir ziehen uns zusammen mit allen anderen Teilnehmern ins Restaurant zurück. Auch wir brauchen Stärkung für den Rest des Tages.

Stromos vor Schloss Neuschwanstein (Bildmaterial: boro-Media) Ankommen ist alles, heißt es bei der vom AvD-Präsidenten Rudolf Graf von der Schulenburg und dem sportlichen Leiter Richard Schalber gestarteten Zuverlässigkeitsfahrt. Denn die e-Miglia ist eine saubere und leise Rallye – kein Rennen wie in alten Tagen. In den 80er Jahren heizte mein gutgelaunter Beifahrer den Hohenpeißenberg in einem laut röhrenden Toyota Celica hinauf, bei der legendären Spitzbub-Rallye, benannt nach einem geruchsintensiven Käse. Jetzt sitzt Oskar Hiendelmayer mit mir in einem klimafreundlichen, lärmfreien Familienauto, in dem nichts stinkt.

Nachdem der Stromos neue Energie getankt hat, gleiten wir nahezu lautlos durch die herrliche Landschaft des Allgäus und genießen am frühen Abend die freundlichen Gesichter des Publikums bei der Ankunft in Füssen. Einheimische und Touristen drängen sich neugierig um alle teilnehmenden Elektrofahrzeuge, die Schritt fahren durch die Fußgängerzone im historischen Stadtkern. „Wie schnell ist er denn?“ will niemand wissen. Die Schaulustigen, die sich mit glänzenden Augen auch für den Stromos interessieren, haben andere Fragen: „Wie lange dauert es, bis die Batterie aufgeladen ist?“ Sechs bis sieben Stunden vergehen, bis die Lithium-Ionen-Akkus wieder die volle Leistung abgeben.

Elektromobilität ist die Entdeckung der Gelassenheit. Entschleunigung wäre das falsche Wort, denn der Stromos mit seinem 56 kw-Motor beschleunigt flott, regelt aber bei familienfreundlichen 120 Stundenkilometern ab. Selbst jemand wie ich, der sonst gerne das Gaspedal bis zum Boden durchdrückt, genießt binnen kürzester Zeit die neue Lebensqualität.

 

Technische Daten Stromos:

Fahrleistung

Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h, elektronisch begrenzt

Reichweite: 70 - 100 km, abhängig von Fahrstil und Umgebung

Technik

Motor: Fräger E-Motor

Motorleistung: 56 kW

Max. Drehmoment 140 Nm

Bremsen: ABS

Bereifung: 185/60 R15

Batterie

Batterietyp: Lithium-Ion

Verbrauch: 15 – 20 kWh auf 100 km

Ladedauer: 1-6 Std. abhängig vom Ladegerät

Schnellladegerät: ja

Ladezyklen: ca. 2000

Sonstiges

4-Sitzer

Pkw geschlossen, Typkategorie M1, Klasse Kleinwagen

Abmessung L: 3,72 m, H: 1,59 m, B: 1,68 m

Führerscheinklasse: B

Preis: 41.990,00 €        Info: german-e-cars.de, lautlos-durch-deutschland.de

 

Thomas  Borowski / boro-Media


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