Die WAVE rollt und rollt – Paris-Prag mit über 20 E-Fahrzeugen durch Europa

Elektro-Mobilitätsprojekte

Start in Paris am 11.Sep.2011 Die WAVE World Advanced Vehicle Expedition ist am Sonntag, 11. September 2011, in Paris erfolgreich zur Tour durch 8 Länder gestartet! Der Bundesverband Solare Mobilität (kurz: BSM e.V.) hat dafür mit voller Unterstützung die Schirmherrschaft übernommen und begleitet durch die Vielzahl selbstfahrender E-Mobilisten die Haltestationen der Teilnehmer in den einzelnen Regionen. 20 E-Fahrzeuge haben sich beim Eiffelturm eingefunden, um gemeinsam die Strecke von Paris nach Prag unter die Räder zu nehmen und sich einem strengen Test zu unterziehen. Mit dabei sind zwei Elektrofahrräder(!), ein Motorrad, drei Dreiräder, sowie 14 verschiedene Autos, die aus acht untererschiedlichen Ländern angereist sind, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen, dass die elektrische Mobilität alltagstauglich ist und zuverlässig funktioniert. Um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, werden die Fahrzeuge von 4 weiteren Support-Elektrofahrzeugen begleitet, darunter einem umgebauten VW T5, der die Fahrzeuge unterwegs nicht nur abschleppen, sondern notfalls auch mit Strom betanken könnte. Tour Direktor Louis Palmer ist unterwegs in einem Tesla, der ihm vom ElektroFahrzeug-Institut zur Verfügung gestellt wurde. Wir lassen Louis Palmer hier auf wattgehtab am besten selbst von der Tour berichten.

Paris – Roye SO 11.Sept

Wenige Stunden vor dem eigentlichen Start stehen die Fahrzeuge in Reih und Glied auf Hochglanz poliert im Innenhof der Technischen Universität "ENSTA". Einige sind so bunt bemalt, dass gleich klar wird, dass hier viel Herzblut vergossen wurde. Doch für mich ist vor allem eins ein Wunder: Alle angemeldeten Teams sind wirklich da! So zum Beispiel die Tschechen mit ihrem umgebauten, weiss-grünen Skoda Superb, dazu die 8 Deutschen Teams, die 5 Teams aus der Schweiz, und dazu noch Teams aus den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten, England, Österreich und Indien. Und alle freuen sich demnächst, mit ihren Boliden die Strassen rund um den Eiffelturm unsicher zu machen. Dass wir wenige Stunden später dort für einen Menschenauflauf sorgen, geniessen wir. Doch noch kennen wir uns gegenseitig kaum, doch verbindet uns schon eines: Wir alle wollen der Welt zeigen, dass Elektrofahrzeugen die nahe Zukunft gehört. Monate haben alle Teams darauf hingearbeitet, dass sie in Paris dabei sein können. Heute ist der grosse Tag nun gekommen.

Louis im Tour Director´s Car in Paris Es regnet leicht, als wir uns zum Start vor dem Grand Palais aufstellen. Dank dem ElektroFahrzeug-Institut kann ich mich als Tour Direktor auf einen Tesla verlassen! Die Beschleunigung ist haarsträubend, und ich achte jetzt öfter auf Poliziei als je je zuvor in meinem Leben. Wir jubeln kurz noch den Fernsehkameras zu, dann packen wir unsere Fahnen ein, und los gehts!

Die Fahrt aus Paris raus nach Roye führte über farbige Felder, und in Roye setzte ein Platzregen ein, dass man annehmen musste, die Fahrzeuge würden gleich einem Nässetest unterzogen. Zum Glück hatte uns die Stadtverwaltung ihre Halle der technischen Dienste zur Verfügung gestellt. Am Abend sind wir dann alle froh, es ins kleine Dorf geschafft zu haben. Alle? Nein, nicht ganz. Team LE war auf regennasser Fahrbahn ins Rutschen und auf eine Bordkante geraten und hatte nun ein verbogenes Fahrwerk, dessen Reparatur nun zwei Tage in Anspruch nehmen wird.

Brüssel - Zolder - Helmond - Gelsenkirchen

Heute ist unser erster "Monstertag". Wir werden viel Strecke machen. Zuerst aber besucht uns die belgische Presse an der Uni. Das Interesse hier in Belgien an Elektroautos ist gross. Nur mit Mühe können wir uns von den Journalisten lösen, und die 80 Kilometer auf der Autobahn bis zur Rennstrecke in Zolder vergehen wie im Flug. Rennstrecke in Zolder-Belgien In Zolder angekommen, nimmt uns Walter Goossens in Empfang. Kurz erklärt er die Spielregeln für die Rennstrecke. Die Mittagszeit sei eigentlich Sperrzeit. Um den Nachbarn einen ruhigen Mittag zu geben, dürfen von 12 bis 13 Uhr keine Rennboliden auf die Piste. Gut für uns. Denn da wir keinen Lärm produzieren, können wir am Mittag die Rennstrecke für uns alleine beanspruchen. Heute ist der erste Wettbewerb der WAVE 2011 angesagt: Wer fährt die 4 km lange Strecke am schnellsten? Als ich mit meinem Tesla die Runden absolviere, erreicht mein Adrenalinpegel  neue Rekordwerte. Und der Puls? Wohl um die 500. Der Sieger ist am Schluss nicht etwa ein Tesla, sondern das Team Twike 4 mit ihrem futuristischen Dreirad namens TW4XP.

Bild: www.twike.com Weitere 80 Kilometer später erreichen wir den Automotive Campus HTA in Helmond, Holland, wo Peter De Lannoy uns herzlich in Empfang nimmt und jedem Fahrzeug die richtige Steckdose zuweist. Zwei unserer Fahrzeuge brauchen 400 Volt, alle anderen kommen mit 230 Volt aus. Während wir uns an einem Buffet genüsslich unterhalten, laden die Fahrzeuge. Spät am Abend erreichen wir weitere 100 km weiter Gelsenkirchen, wo wir müde, aber glücklich den Tag beenden und die Fahrzeuge beim Wissenschaftspark abstellen und wieder an die Steckdose hängen. Die Firma Görlitz hat uns eine Ladeüberwachungselektronik mitgegeben, damit wir unabhängig von irgendwelchen Ladesäulen trotzdem messen und im Internet nachschauen können, wir viel Strom welches Fahrzeug auf der Tour verbraucht hat.

Dortmund - Troisdorf - Koblenz

Heute stehen zwei grosse Event auf dem Programm. Doch zuerst frühstücken wir mit unseren Freunden von der ISOR, die uns den Event in Gelsenkirchen eingetütet haben. Wir folgen dem Fahrzeug von Gerd Petrusch und treffen uns alle auf dem Friedensplatz in Dortmund, wo uns der Bürgermeister empfängt. Dortmund, Friedensplatz: Der InnoTruck unterstützt die WAVE2011 Auch der Innotruck ist da. Dieser Truck ist zwar erst im Bau und noch nicht ganz fahrtüchtig (weshalb er noch von einem konventionellen LKW gezogen wird), trotzdem aber zeigt er heute schon, wie gross in Zukunft der grösste elektrisch betriebene Lastwagen der Welt sein wird. Der LKW besitzt eine Nase wie eine Concorde, wo in einer Kanzel ein Fahrer sitzen wird, der mit einem Joystick das Fahrzeug lenkt. Wir hoffen sehr, dass der Innotruck nächstes Jahr die WAVE anführen kann. Rein elektrisch und sauber. Um ein Zeichen zu setzen, dass auch der Schwerverkehr ohne Benzin auskommen kann.

Von Dortmund aus düsen wir weiter nach Troisdorf. Die Stadtwerke haben uns und die Öffentlichkeit eingeladen. Nicht nur werden wir mit allerlei Esswaren verwöhnt, sondern wir erhalten auch noch eine Führung im grössten Solarpark von Nordrhein-Westfalen. Der heutige Wettbewerb wird von einem Erfinder-Club durchgeführt, und die Frage lautet: Welches Team hat den grössten Kofferraum? Als Sieger wird das Team m-way gekürt, das mit einem norwegischen "Think" an den Start gegangen ist. Der Event kommt zu einem spannenden Ende, als vier Polizeimotorräder den WAVE-Konvoi durch die Fussgängerzone eskortieren. Wir registrieren viele interessierte und verwunderte Blicke, und die Teams fühlen sich wie Staatsgäste. Ich rase zwischenzeitlich in meinem Tesla mit Tempo 180 Richtung Koblenz, wo uns heute Abend noch die Firma Görlitz empfängt. Ich halte einen Vortrag über meine verschiedenen Projekte, während zeitgleich die ersten Fahrzeuge eintreffen. Und wer trifft heute Abend als erster ein? Kaum zu glauben: Unsere beiden E-Biker, Mathias und Wini. Der Applaus ist wohlverdient. Sie beweisen es von Tag zu Tag: Es muss nicht immer ein Auto sein. Manchmal ist man mit einem E-Fahrrad schneller als mit einem Auto. Selbst wenn man an einem Tag mehr als 200 km schaffen muss, so wie an der WAVE heute.

(pz/wattgehtab.com)


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