Hier an der norddeutschen Küste bauen wir lieber Schiffe als Autos und in jüngster Zeit noch lieber Windkraftanlagen! Trotzdem oder gerade deswegen gilt es, einen Trend in Richtung Süden zu kommunizieren, der den Automobilmarkt verändern wird:
Bei einem derzeit noch geringen Ausbaustand der Windenergie, ihr Anteil an der gesamten Stromproduktion beträgt in Deutschland gerade einmal 7%, gab es bereits den Vorfall „3. Oktober 2009“. An diesem Tage war nicht nur Feiertag in Deutschland und die Wirtschaft hatte wegen der herrschenden Krise auf breiter Front Kurzarbeit verordnet! Nein, der Wind blies an diesem Tag in Deutschland auch extrem stark. Mit dem Effekt, dass der aus Windrädern gewonnene Strom zwar eingespeist, nicht aber verbraucht werden konnte. „Wir mussten den Strom für teuer Geld nach Polen und in die Niederlande verkaufen!“ klagte denn auch mit Recht Prof. Fritz Vahrenholt, Chef der RWE Innogy GmbH, auf einem Seminar im Hamburger Rathaus am 10.11.2009. Dies vor dem Hintergrund, dass es ein erklärtes Ziel der Bundesregierung ist, die Stromgewinnung an volatiler, erneuerbarer Energie auf ein Niveau von mindestens 20% in 2020 zu bringen. Der Siemens Konzern glaubt in diesem Zusammenhang an eine Versiebenfachung des Weltmarktes für Windenergieanlagen in 20 Jahren auf dann 200 Mrd. Euro. So ist z.B. China über Nacht der weltgrößte Aufstell-Markt für Windkraftanlagen geworden und verdoppelte in 2009 seine Kapazitäten innerhalb von nur 12 Monaten auf heute 25,1 GW!
Aus Windrad-Manufakturen werden derzeit moderne Industrieanlagen! Da mittels größerer Offshore Anlagen in Nord- und Ostsee der meiste Strom zu ernten ist, gehen hierzulande sowohl EnBW, E.on als auch RWE (teilweise in Konsortien) in die Rolle der Projektbetreiber und investieren schon jetzt Milliarden Euros in den Bau entsprechender Parks auf hoher See. Die britische Regierung genehmigte unlängst ein Programm, in dem nicht weniger als 111 Mrd. Euro fließen werden, um vor der britischen Küste leistungsstarke Offshore Windanlagen zu errichten.
Um die Ausbauziele zu verwirklichen, hat das Bundeswirtschaftsministerium das bereits in Kraft getretene Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) erarbeitet. Das Gesetz erleichtert und beschleunigt die Planungs- und Genehmigungsverfahren für Leitungsbauvorhaben, die u.a. zur Netzintegration des Stroms aus Windenergie dringend erforderlich sind. Ferner hat die Bundesnetzagentur ein Positionspapier veröffentlicht, das eine zügige Netzanbindung der Offshore-Windenergieanlagen ermöglicht und gleichzeitig "stranded investments" auf Kosten der Stromverbraucher verhindert.
Speicherfrage als elementare Herausforderung!
Diese zukünftigen Investments haben aber zwingend die Notwendigkeit, dass Strom in großen Mengen „gelagert“ werden kann, was heute jedoch so noch nicht möglich ist. Hinter den Ankündigungen (und ersten Pilotversuchen) von Playern wie EnBW, E.on oder RWE sich beim Thema E-Mobilität zu engagieren, steht also weit mehr als nur der Wunsch, Strom zu verkaufen. In den Verträgen der Versorger werden die KfZ Halter mit Sicherheit lesen, dass nicht gebrauchte Fahrzeuge intelligent „atmen“ dürfen und somit den Energieversorgern als temporäre Zwischenspeicher dienen können. Hält die Batterietechnik diesen Wunsch stand, so werden die Gesamtkosten für das Fahren von E-Mobilen aus dem Blickwinkel der Konsumenten unweigerlich sinken. Und die Autobauer haben zu registrieren, dass auf der Nachfrageseite neue „Schwergewichte“ ins Spiel kommen, denn E-Mobile werden wichtige Glieder in der modernen Energiekette. Und diese Schwergewichte brauchen lieber heute als morgen viele E-Mobile unter Vertrag, damit ihre Gesamtstrategie aufgeht. Aus der Consumer Electronics kennt man das Phänomen, dass in der Vergangenheit eine zeitlang mobile Telefone ohne Vertrag gar nicht kaufbar waren. Gleiches könnte man in einigen Monaten beim E-Mobil sehen. Die großen Autobauer werden sich dann neuen Marktgegebenheiten gegenüber gestellt sehen! Es bleibt spannend!
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Olaf Hübner (Dipl. Kfm., 47) ist Vertriebsleiter bei der Assystem GmbH, dem deutschem Arm eines großen internationalen Ingenieurdienstleisters mit über 10.000 Mitarbeitern in den Branchen Energie, Automotive und Luftfahrt. Im Konsumentenmarkt erlebte er die Multimedia-Revolution bei Philips und den Siegeszug der digitalen Fotografie bei Olympus mit. Die Auswirkungen des E-Mobils auf bestehende Strukturen hält er für noch extremer! Zusätzlich ist er Herausgeber von Leichtbau-Netz.de, eine branchenübergreifende Vernetzung von Anbietern im Bereich von leichten wie robusten Faserverbund-Werkstoffen, die u.a. auch zunehmend im Automotive- Sektor zum Einsatz kommen.