Und da gab es ja noch die Brennstoffzelle, die aus Wasserstoff (H²) und Sauerstoff gleichzeitig Strom und Wärme produzieren kann! Seit vielen Jahren wirkt der Charme dieser Technik, mit dem günstigen Ausgangsstoff Wasser (H²O), der ja überall auf der Erde vorkommt, Strom zu generieren. Unvergessen der Auftritt von Thomas Gottschalk auf der Auftaktveranstaltung zur Weltausstellung Ende Mai 2000 in Hannover, als er mit einem, nur von einer Brennstoffzelle angetriebenen Mercedes auf die Bühne vorfuhr. Das Wasser (der Wasserdampf) aus dem Auspuff hatte Trinkqualität. Die erzielbaren Verbrauchskosten und die mögliche Reichweite solcher Fahrzeuge erscheinen nach wie vor interessant! Allein die bis jetzt realisierten, erlebbaren Schritte sind doch noch recht mager geblieben! Den Versuch, herkömmliche Motoren mit Wasserstoff anzutreiben und dabei auf die Brennstoffzelle zu verzichten, gab BMW nach über 30 Jahren Forschung unlängst im Dezember 2009 auf.
Der Nachteil, in einem hohen Maße vom Rohstoff Lithium als Speichermedium für die Batterie abhängig zu werden, gibt es bei der Wasserstofftechnik mit der Brennstoffzelle nicht. Auch wird ein Wasserstoffauto anders als ein „Batterie –Auto“ keine Probleme bei niedrigen Temperaturen haben. Wer jemals seine Digitalkamera im Winterurlaub nutzte, kennt dieses Problem der schwachen Batterietechnik bei Kälte.
Die Krux steckt eher in der Erzeugung von Wasserstoff (H²), was selbst energieintensiv ist. Auch stellt sich die Frage der Infrastruktur. Zwar soll die Herausforderung der H² Speicherung gelöst sein (siehe DWV), die Infrastruktur jedoch noch nicht! Schickt man den Wasserstoff vom Ort der Entstehung durch große Rohrleitungen in die Ballungszentren, wo er benötigt wird oder gibt es eine Konservenlösung? Das nationale Innovationsprogramm NIP, in dem namhafte Unternehmen eingebunden sind, soll bis 2015 für einen entsprechenden Fortschritt in Deutschland sorgen. Etwa 35% der ausgelobten 793Mio€ sollen in mobile Applikationen fließen. Die Betreiber der heutigen Tankstellennetze könnten sich dieser Thematik annehmen, da sie für Fahrer von Autos mit fest eingebauter Batterie an Bedeutung verlieren werden. Zumindest der norwegische Statoil Konzern stellt entsprechende Überlegungen an. Das Laden von Lithium-Batterie-Autos wird dagegen übernacht daheim oder an Plätzen mit längerer Verweildauer (Parkhäuser, Hotels, Einkaufszentren) erfolgen, eben nicht an Tankstellen! Es sei denn, Austauschkonzepte à la better place setzen sich durch.
Schaut man auf die Anforderungen für eine erfolgreiche Vermarktung im Konsumentenmarkt, so hatten stets die Innovationen Erfolg, die einen konkreten Kundenbedarf treffen und dabei eine „Evolution ohne Treppen“ durchleben können. Es gilt: „Klein anfangen können“, „strategische Preispunkte besetzen“ und schnell „die Menge steigern“. Wenn man sieht, dass in China schon millionenfach die Lithium-Batterie-Roller fahren, so kann man der Einschätzung folgen, dass dies ein gutes Fundament für einen qualitativ erweiterten Roll –out beim E-Mobil sein wird. Zumal die Energieversorger in Ihrer Notwendigkeit „abgeholt“ werden, volatile Energie zu speichern, mit der „angenehmen“ Möglichkeit, die bereits vorhandenen Netze zu nutzen.
Sprich: Im Jahr 2015 werden die Verfechter der Brennstoffzelle beim E-Mobil mit „Preispunkten für Mobilität“ konfrontiert werden, die für Konsumenten dann schon wirklich attraktiv sind! Dies sind dann die Preispunkte, die es ohne wenn und aber zu schlagen gilt! Viele Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen forcieren derzeit das „Batterie Auto“, was hier marktreife Lösungen schnell hervor bringen wird (vergleiche Studie von Roland Berger). Das knappe und damit teure Gut Lithium als optimiertes Speichermaterial für die Batterietechnik wird darüber entscheiden, welche Bedeutung die Brennstoffzelle überhaupt in Autos zukünftig haben wird. Allerdings verriet mir in Hamburg ein renommierter Wissenschaftler kürzlich, daß auch bei der Lithium Batterie der Königsweg noch nicht gefunden ist. Es bleibt spannend und der Erwartungsdruck erhöht sich! (Olaf Hübner)
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Olaf Hübner (Dipl. Kfm., 47) ist Vertriebsleiter bei der Assystem GmbH, dem deutschem Arm eines großen internationalen Ingenieurdienstleisters mit über 10.000 Mitarbeitern in den Branchen Energie, Automotive und Luftfahrt. Im Konsumentenmarkt erlebte er die Multimedia-Revolution bei Philips und den Siegeszug der digitalen Fotografie bei Olympus mit. Die Auswirkungen des E-Mobils auf bestehende Strukturen hält er für noch extremer! Zusätzlich ist er Herausgeber von Leichtbau-Netz.de, eine branchenübergreifende Vernetzung von Anbietern im Bereich von leichten wie robusten Faserverbund-Werkstoffen, die u.a. auch zunehmend im Automotive- Sektor zum Einsatz kommen.