Die Corsars, Polos und Fiestas in unserer Siedlung im Dorfe vor der großen Stadt haben eines gemeinsam: Sie werden pro Jahr immer weniger bewegt! Damals als das Haus noch jung und unsere Kinder Dennis und Sara noch klein waren, war dies anders. Täglich mussten die Kids erst in den Kindergarten und dann in die Grundschule kutschiert werden. Und auch die Einkäufe galt es vor 18 Uhr zu erledigen. Noch ohne den Zwang von Schulferien war es meiner Frau Petra damals auch möglich gewesen, spontan werktags Verwandtenbesuche mit Übernachtungen in Berlin und in Hamburg abzuhalten.
Heute fahren die Kids mit dem verdammt teuren Mountainbike bzw. mit dem Schulbus in die Schule. Alles andere wäre „echt uncool“! Meine Frau Petra arbeitet montags und donnerstags im Büro. Oft kann sie auch am Samstag im Gasthaus des Onkels helfen. Und die Supermärkte haben heute selbst auf dem Land bis 20 Uhr auf, was mir manchmal gefällt, manchmal auch nicht.
Interessant ist der Umstand, dass es sich bei unseren Nachbarn in etwa ebenso verhält! Meine Frau könnte sich mit einem MoDoSa-Auto anfreunden, welches sie immer montags, donnerstags und samstags zur Verfügung hätte. Unsere Nachbarin Ilse könnte dagegen sehr gut mit einem DiMiFr-Auto leben. Und der Sonntag würde „brüderlich geteilt werden“! Mit einer web-basierten Software könnte man sehr einfach Ausnahmen von dieser Nutzungsregel beantragen, welche der jeweils andere per click bestätigen oder ablehnen kann. Die Verbrauchskosten werden nach dem verwendeten Autoschlüssel in der monatlichen Rechnung des Stromversorgers aufgeschlüsselt. In der Vergangenheit war ein Automobil kaum teilbar, was sicherlich im Interesse der Autobauer lag. Heute beschäftigen sich die neuen Branchenpartner, wie e.on, RWE oder betterplace, ganz intensiv mit einer ausgeklügelten Software im Auto, die den Nutzen des E-Mobils aus Kundensicht optimiert.
Mein Nachbar und ich glauben fest daran, dass wir das jeweilige Kostenbudget „Zweitwagen“ um mindestens 25% werden drücken können. Ein „mehr“ verhindern derzeit noch unsere Frauen, die sich jeweils ein Budget für Taxifahrten und eines für „Regelmäßiges Autowaschen“ haben zusichern lassen. Dank des Waschens wird der gute Kontakt zu Carlo von der Tankstelle jedenfalls nicht ganz abreißen, auch wenn er ein Verlierer bei dieser Entscheidung sein wird.
Einen anderen Vorteil haben wir noch nicht an unsere Frauen kommuniziert: Bei dem zu erwartenden Beschleunigungsvermögen des neuen Gefährts haben mein Nachbar und ich uns nämlich auch schon ein spaßiges Hobby für den Sonntag ausgedacht. An der Ampel auf der zweispurigen Bundesstraße vor unserem Dorfe werden wir auf Porschefahrer warten…
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Olaf Hübner (Dipl. Kfm., 47) ist Vertriebsleiter bei der Assystem GmbH, dem deutschem Arm eines großen internationalen Ingenieurdienstleisters mit über 10.000 Mitarbeitern in den Branchen Energie, Automotive und Luftfahrt. Im Konsumentenmarkt erlebte er die Multimedia-Revolution bei Philips und den Siegeszug der digitalen Fotografie bei Olympus mit. Die Auswirkungen des E-Mobils auf bestehende Strukturen hält er für noch extremer! Zusätzlich ist er Herausgeber von Leichtbau-Netz.de, eine branchenübergreifende Vernetzung von Anbietern im Bereich von leichten wie robusten Faserverbund-Werkstoffen, die u.a. auch zunehmend im Automotive- Sektor zum Einsatz kommen.